Mit einem Festumzug mit 1300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und einem Familiensonntag feiert Köngen die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.
Wenn das der gute Uodolscalch de Chunigin geahnt hätte – am 9. Oktober 1075 bescheinigte besagter „Domnus“ – Lateinisch für „Herr“ – von Köngen in einer Urkunde des Klosters Hirsau dem durchaus streitbaren Abt Wilhelm von Hirsau, dass der weltliche Schirmherr des Klosters, Graf Adalbert von Calw, seine Nase künftig aus den Angelegenheiten des Klosters herauszuhalten habe. Der Ortsname Chunigin wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte über Kunigen, Konigen bis zum heutigen Name Köngen.
Fast 950 Jahre nach besagter Unterschrift zogen am Samstag adrette Burgfräulein, stolze Ritter, römische Soldaten und zahlreiche Vereine und Organisationen bei einem großen Fest durch den Ort, der heute rund 10 000 Seelen zählt. „Köngen ist kunterbunt“, sagte der Bürgermeister Ronald Scholz angesichts der rund 1300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Umzugs – und die hatten sich einiges einfallen lassen.
Alle Kindergärten des Ortes sowie die Grundschule mit allen Klassenstufen waren am Start – und präsentierten etwa die Geschichte des Ortes oder was ihnen an Köngen gefällt. Auch viele Vereine hatten Vertreter geschickt – die Narrenzunft trieb ihren Schabernack, der Musikverein und die Sau-Glogg-Guggenmusiker hauten auf die Pauke, die Ringer des TSV Köngen legten Schaukämpfe ein, die Feuerwehr hatte ein altes Fahrzeug mit dabei, und Fuß-, Hand- und Volleyballer des TSV zeigten ihr Können.
„Wir haben kein bestimmtes Thema vorgegeben“, sagte Larissa Thau von der Gemeindeverwaltung. Für die Organisation habe man sich aber Hilfe geholt und bei der Stadt Wendlingen angefragt. In der Nachbarkommune gibt es schließlich seit vielen Jahren alljährlich beim Vinzenzifest eine feierliche Prozession und auch einen Festumzug. Die Stadt verwies an Mathias Rödl, den Vorsitzenden der Wendlinger Egerländer, und der half gerne. Mehr noch: „Ich habe mich riesig gefreut über die Anfrage“, sagt er.
Köngen holt sich Unterstützung in Wendlingen
Neben organisatorischen Fragen ging die Unterstützung sogar soweit, dass Rödl bei der Auflösung des Umzugs – was immer eine sensible Phase ist – persönlich mithalf und die Teilnehmer in die richtige Richtung dirigierte. „Wir hatten so etwas noch nie gemacht und waren vor allem angesichts der vielen Kinder, die am Umzug teilgenommen haben, sehr froh, dass sich mit Mathias Rödl quasi ein Umzugsprofi bereit erklärt hat, uns zu helfen“, sagte der Köngener Kulturamtschef Andreas Halw, der auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, angeführt von Larissa Thau, in den höchsten Tönen lobte.
Auch in puncto Sicherheit musste ein extra Konzept ausgetüftelt werden, für die Umsetzung wurden zusätzlich 27 externe Sicherheitskräfte ins Boot geholt. Sie waren bis in den späten Abend am Start, denn nach dem Umzug fand das Festtreiben in der Ortsmitte eine Fortsetzung. Köngener Bands von der Musikschule und vom Jugendhaus Trafo sorgten für Stimmung. Am Abend übernahmen die Bang-Bags mit Musik im Stil der 1950er und 60er-Jahre.
Am Sonntag verlagerte sich das Fest in den Römerpark, wo es nach einem ökumenischen Gottesdienst neben musikalischen Beiträgen des Köngener Musikvereins und der Chorgemeinschaft Köngen im „Dorf der Epochen“ einiges zu entdecken gab. So gewährte etwa die Gladiatorenschule Ludus Gorgonis aus Gießen Einblicke in die Zeit der Römer. Die an die Universität Gießen, Abteilung Klassische Archäologie, angesiedelte Gruppe legt Wert auf historische Authentizität und stellt ihre Ausrüstung wie Kettenhemden, Schuppenpanzer und Prunkgürtel zum Großteil selbst her. Die Faszination der Epoche liege in ihrem Facettenreichtum, sagte Chrossy Beck, Kampfname „Corvus“ (Lateinisch für Krähe): „Natürlich ist es auch die sportliche Betätigung, aber die wissenschaftliche Arbeit, wie Rüstungen zu rekonstruieren, macht unheimlich viel Spaß.“
Die Gäste konnten aber auch auf Zeitreise ins Mittelalter gehen. Obendrein sorgten viele Vereine und Organisationen an verschiedenen Stationen mit spannenden Aufgaben für Unterhaltung. Einen krönenden Abschluss fand das große Festwochenende mit Carl Orffs „Carmina Burana“. Der Chor zum guten Hirten (Köngen), der Jugendkantorei Köngen sowie der Junge Chor Stuttgart führten das Werk unter der Leitung von Paul Theis auf. Als Solisten glänzten Gundula Peyerl (Sopran), Thomas Hamberger (Bass) und Gunnar Brenner (Tenor). Passend zur Erinnerung an frühere Zeiten fand die Aufführung im Innenhof des Köngener Schlosses statt, dessen Ursprünge immerhin bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen.
Köngen feiert weiter
Musiknacht
Am Samstag, 27. September, steigt in Köngen die Nacht der Musik. An verschiedenen Orten im Ort – wie etwa in Kirchen oder im Burgforum – sind Konzerte angekündigt. Im Mehrgenerationenhaus Burgforum rocken zum Beispiel gleich neun aus Köngen stammende Bands, darunter die „Klauboys“ und „Beat 07“, auf zwei Bühnen bei freiem Eintritt.
Festakt und Heimatbuch
Am Samstag, 11. Oktober, folgt der offizielle Festakt in der historischen Zehntscheuer und dem Köngener Schloss. Pünktlich zum Jubiläum soll außerdem ein neues Heimatbuch erscheinen. Begleitend dazu sind für den Herbst einige Fachvorträge der Autoren in Planung.