Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin - Roberto Bulgrin/bulgrin

Seit Jahren kämpft Gärtnermeister Fritz Hägele aus Nellingen dafür, dass bei der Grüngutannahme stärkere Äste aussortiert werden müssen.

OstfildernFritz Hägele mischt sich gerne ein. Geradeheraus und knorrig vertritt er seine Meinung zu kommunalpolitischen Themen. Und wenn es ums Kompostieren geht, einem Bereich, mit dem der Seniorchef der gleichnamigen Gärtnerei in Nellingen sein Leben lang vertraut ist, fährt er eine vollends unnachgiebige Linie. „Dickes Holz taugt nicht dafür, das verrottet viel zu langsam“, sagt der 86-Jährige. Unmissverständlich fordert er deshalb jeden auf, der mit seiner Anlieferung zu ihm auf den Hof kommt, Stämme und stärkere Äste aus dem normalen Grüngut herauszunehmen. Ansonsten brauche er nicht mehr zu kommen. Ein ums andere Mal gibt es deshalb auf der Anlage unschöne Wortgefechte, denn viele Kunden verweisen auf die Benutzungsordnung des Abfallwirtschaftsbetriebs für den Landkreis Esslingen (AWB). Und da steht nichts von einer solchen Trennung.

Sehr zum Verdruss von Fritz Hägele. Trotzdem wird er nicht müde, seinen Kampf fortsetzen – auch wenn er damit augenscheinlich gegen Windmühlen anrennt. Denn von der Stadt Ostfildern, die die Annahmestelle samt Kompostieranlage im Auftrag des Landkreises Esslingen betreibt, erfährt er keine Unterstützung. Und von AWB-Geschäftsführer Manfred Kopp schon gar nicht. Er sagt ebenso unmissverständlich, was er von einer solch strikten Trennung des Grünguts hält: „Sie ist grottenunnötig.“

Dreimal die Woche ist die Annahmestelle in Nellingen geöffnet. Der größte Betrieb herrscht an den Samstagen. Da kommen schon mal 100 und mehr Leute, um ihr Grüngut zu entsorgen. Oftmals sind darunter starke, mehrere Meter lange Äste oder auch Baumstämme aus Gärten oder von Streuobstwiesen. Wer mit so einer Lieferung zu ihm kommt, muss sich von Fritz Hägele einiges anhören. Das sei der pure Unsinn. Holz gehöre nicht in den Kompost, sondern solle besser verbrannt werden, zum Beispiel im Holzhackschnitzelheizkraftwerk im nahen Scharnhauser Park. Der gleichen Meinung ist auch Hägeles Sohn Joachim. Die großen Holzanteile aus dem Grüngut herauszufischen und sie als Brennmaterial zu verwenden, sei „ökologisch auf jeden Fall der bessere Weg“, sagt er. Zumal in Zeiten steigender Energiekosten.

Dass er von der Stadt und dem AWB keinerlei Unterstützung erfährt, will Fritz Hägele nicht akzeptieren. Unzählige Schreiben hat er schon verfasst und sich bei den zuständigen Stellen beschwert. „Da bringt man sich ein, stößt aber regelmäßig nur auf Widerstand“, kritisiert der 86-Jährige. Zumindest müsse man mehr Aufklärungsarbeit leisten, zum Beispiel mit regelmäßigen Hinweisen im städtischen Amtsblatt. Für seine Arbeit in der Annahmestelle erhält der Senior nur einen geringen Stundenlohn. Das hält ihn aber nicht davon ab, immer wieder selbst Hand anzulegen und Holz vom Grüngut zu trennen.

Vom Grundsatz her sei das nicht verkehrt, meint Thomas Andler, Tiefbauamtschef der Stadtverwaltung Ostfildern, anerkennend. Hägeles Engagement wolle er nicht in Frage stellen. „Aber das können wir von den Bürgern nicht verlangen.“ Ebenso wenig wie von den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, die ebenfalls regelmäßig Grüngut ankarren. Andler verweist auf die vom AWB herausgegebene Benutzungsordnung. In dieser sei klar geregelt, dass Äste bis zu 1,50 Meter lang und bis zu 20 Zentimeter dick sein dürfen. Außerdem, so Andler, werde das stärkere Material vor dem Kompostieren sowieso gehäckselt.

Darauf verweist auch AWB-Geschäftsführer Manfred Kopp. „Man muss die Leute nicht drangsalieren.“ An den meisten der 35 Annahmestellen im Kreisgebiet habe man gar nicht genügend Fläche, um das Grüngut zu trennen. Zudem fehle dafür das Personal. Nach dem Häckseln werde sortiert und bei Bedarf werde das Material danach nochmals durch die Maschine gejagt. Holz werde sowieso herausgesiebt und an diversen Stellen als Brennmaterial verwendet.

Das Argument von Fritz Hägele, dass der Kompost mit der Methode des Esslinger Abfallwirtschaftsbetriebs immer schlechter werde und damit auch weniger Abnehmer finde, lässt Kopp nicht gelten. Die Produkte würden regelmäßig kontrolliert. „Und wir haben für unseren Kompost überall die Zulassung für den ökologischen Landbau“, betont der AWB-Geschäftsführer. „Dann kann er gar nicht so schlecht sein.“

Im Landkreis Esslingen gibt es aktuell 35 Annahmestellen für Grüngut und neun Kompostieranlagen. Pro Jahr werden dort laut AWB-Geschäftsführer Kopp im Schnitt 38 000 bis 40 000 Tonnen Grüngut angeliefert und zu Kompost verarbeitet. Privatleute dürfen laut Satzung pro Tag drei Kubikmeter Grüngut kostenlos entsorgen. Von gewerblichen Kunden wird ein Obolus verlangt. Bei jedem Besuch darf ein privater Anlieferer einen Kubikmeter Kompost umsonst mitnehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: