„Glücklich und dankbar“ sei er, sagte Leinfelden-Echterdingens OB Roland Klenk (CDU) gestern nach seiner Wiederwahl. Foto: Kaier Quelle: Unbekannt

Von Christian Dörmann

Wenn es in Esslingen um ein Gebäude geht, dann wird es sehr schnell geschichtlich, selbst wenn in diesem Fall von dem Haus noch nicht viel mehr existiert, als eine solide Bodenplatte aus ein Meter dickem Beton. Für die neue Hauptstelle der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen an der Bahnhofstraße ist gestern der Grundstein gelegt worden - und damit geht es nun an den Rohbau des letzten Teilstücks, mit dem sich das Institut für die Zukunft aufstellt.

Das ehemalige Gasthaus Falken aus dem Jahr 1860 ist bereits für die Sparkasse von Grund auf erneuert worden, das 1993 erbaute Haus am Vogelsang ist einem Neubau gewichen und die bisherige Hauptstelle wurde während der vergangenen Monate abgerissen, um Platz für das neue „Haus der Kunden“ zu schaffen. „Drei Häuser aus drei Jahrhunderten“ - darin spiegelt sich nach den Worten von Architekt Christof Teige vom Stuttgarter Architektenbüro Auer Weber Assoziierte die Verwurzelung, Tradition und Kontinuität der Kreissparkasse (KSK) wider.

Rund 70 Millionen Euro investiert die Sparkasse allein in das Großprojekt an der Bahnhofstraße. Damit liefere das Institut ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Esslingen sowie ein Bekenntnis für Stadt und Landkreis Esslingen, so der Landrat und Verwaltungsratsvorsitzende der KSK, Heinz Eininger, gestern während der Grundsteinlegung. Viel Geld, und so wollte sich Eininger eine Bemerkung zum „Falken“ nicht versagen, nach dessen Rekonstruktion von der Grundsubstanz kaum etwas übrig geblieben ist: „Der Falken war uns lieb - und rückblickend vielleicht zu teuer.“

Von gut angelegtem Geld mit Blick auf das ehemalige Gasthaus sprach hingegen Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Die Entscheidung der Sparkasse, 70 Millionen Euro in ihre neue Hauptstelle zu stecken, bezeichnete er als mutig und gut für die Entwicklung der Stadt und des Landkreises.

„Mit diesem Neubau möchten wir etwas schaffen, das über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg Bestand hat“, sagte Burkhard Wittmacher, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Esslingen-Nüringen. Dabei würdigte er ausdrücklich die Arbeit seines Vorgängers Franz Scholz, der die Neuorganisation des Hauses angestoßen und bis zu seinem Ausscheiden aktiv begleitet habe. Die Bauarbeiten liegen nach den Worten von Wittmacher im Zeitplan. Damit die neue Zentrale auf solidem Boden stehe, sei die Grundplatte einen Meter d ick - 350 Tonnen Stahl seien allein darin verbaut worden. Und weil Banker den Umgang mit Zahlen gewohnt sind, hat er seine Bauexperten einmal rechnen lassen: Etliche tausend Schubkarren voll Beton sind erforderlich, um diese Bodenplatte herzustellen. Wittmacher: „Alle Schubkarren aneinander gereiht ergäben eine Schlange, die von der Bahnhofstraße in Esslingen bis weit nach Stuttgart hinein reichen würde.“

„Schaufenster zur Stadt“

Eine plastisch wirkende Fassade aus Naturstein wird an der Bahnhofstraße ein lebendiges Bild erzeugen, sagt Architekt Christof Teige. Nächsten Monat soll eine Musterfassade aufgebaut werden, um letzte Feinheiten abzustimmen. Die Kundenhalle im Erdgeschoss der neuen Hauptstelle wird zur Bahnhofstraße ausgerichtet und über die komplette Länge als „Schaufenster zur Stadt“ einsehbar sein. Den Innenraum versorgt ein zweigeschossiges und verglastes Atrium mit Licht. Die Kundenhalle „kann so zu einem Marktplatz im übertragenen Sinne und zu einem Ort der Kommunikation und Information werden“, so die Absicht des Architekten.

Eingeschlossen im Grundstein werden nun verschiedene Beigaben an den gestrigen Tag erinnern: die aktuellen Ausgaben der regionalen Tageszeitungen, Kopien der Baupläne für das Gebäude, der Baufreigabeschein oder Rote Punkt, der aktuelle KSK-Jahresbericht und ein Satz Euro-Münzen von 2016.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: