Felix Ankele in Aktion: der 15-Jährige vom 1. RMC Reutlingen startet bei der Europameisterschaft in der Klasse 85  Foto: privat

Eine Europameisterschaft, eine Deutsche Meisterschaft und der BW-Pokal: am 18. und 19. Mai sind in Reutlingen 170 Fahrer am Start, darunter die besten Nachwuchspiloten aus Mitteleuropa. Der neue Vereinsvorsitzende Florian Allramseder verspricht Spannung.

Laut der Sportregion Stuttgart gibt es nur wenige Sportveranstaltungen im Großraum Stuttgart mit einer so langen Tradition: Bereits zum 62. Mal findet am 18. und 19. Mai das ADAC Motocross-Rennen beim 1. RMC Reutlingen statt. Dieses Jahr richtet der Verein eine Europameisterschaft und das erste Rennen für Frauen um die Deutsche Meisterschaft aus. Der Vereinsvorsitzende Florian Allramseder hat die Hintergründe.

Herr Allramseder, wird es spannend am kommenden Wochenende auf der Reutlinger Motocross-Rennstrecke?

Da geht es zur Sache! Bei uns findet eine Europameisterschaft für die Klassen 65 und 85 statt. Das bedeutet, dass die besten Fahrer aus ganz Mitteleuropa in Reutlingen antreten. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Tschechien, der Slowakei, Österreich und Dänemark. Das sind die besten Nachwuchstalente, und die wollen sich alle beweisen. Bei der EM sind viele am Start, die eine große Zukunft in dem Sport vor sich haben. Außerdem gibt es eine Deutschlandpremiere bei uns: Zum allerersten Mal werden die Ladys um den Titel Deutsche Meisterin fahren. Das ist eine Art Pilotprojekt des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB). Denn immer mehr Frauen betreiben den Sport, obwohl es immer heißt, es sei ein Männersport. Bei der Weltmeisterschaft fahren schon viele Frauen mit, aber wenige deutsche. Der DMSB sieht das Potenzial und will die Ladys fördern.

Seit diesem Frühjahr Vorsitzender vom 1. RMC Reutlingen: Florian Allramseder Foto:  /Kathrin Haasis

Können die Reutlinger Vereinsmitglieder bei dem Niveau mithalten?

Klar! Felix Ankele, Nils Fauser und Noah Moosherr sind bei der Europameisterschaft am Start. Das fahrerische Können haben sie, um mitzuhalten. Die Nerven könnten allerdings ein Problem sein. Das kenne ich zumindest von mir: Ich bin einmal bei einer Deutschen Meisterschaft mitgefahren und konnte nur 70 Prozent meines Könnens abrufen. Ich war zu nervös. Auch beim Ladies Cup sind mehrere Reutlingerinnen mit von der Partie. Und bei unserem dritten Rennen an dem Wochenende, dem BW-Pokal, ist gefühlt das halbe Starterfeld vom 1. RMC.

Ist der Termin am ersten Wochenende vor den Pfingstferien nicht etwas ungünstig?

Der Termin wurde uns vorgegeben. Es hieß, Deutschland solle wieder eine Europameisterschaft veranstalten und der DMSB kam auf uns zu. Wir waren die erste Wahl, und wenn so ein Angebot kommt, nimmt man es an. Das verschafft uns Ansehen. Und wir wollen zeigen, dass wir es stemmen können. Obwohl der Termin in den Ferien liegt: Wir haben volle Gatter, 170 Fahrer starten am Wochenende, das ist eine Hausnummer.

Kaum sind Sie im Amt als neuer Vorsitzender des 1. RMC gleich eine solche Veranstaltung: Ist der Einstieg etwas stressig?

Es geht. Die Rennen organisiere ich bereits seit vielen Jahren. Ich bin in die Aufgabe hineingewachsen, bin seit 2004 im Verein und habe nach und nach mehr Verantwortung übernehmen wollen, wurde erst Jugendtrainer, war danach für die Trainingsleitung und anschließend für die Rennleitung verantwortlich. Mit meinem Vorgänger Michael Saur habe ich immer Hand in Hand geschafft. Ich habe nun halt noch ein bisschen mehr Verantwortung übernommen. Aber beim 1. RMC arbeiten wir im Team zusammen.

Was haben Sie sich als Vorsitzender vorgenommen?

Wir haben ganz viele Pläne! Altersmäßig hatten wir im Verein einen großen Umschwung, auf allen Posten wurden der Durchschnitt gesenkt. Wir wollen digital werden, das ist ein Ziel. Ansonsten gehen wir es nach den Großveranstaltungen gleich am Saisonbeginn wieder lockerer an. Die Rennwochenenden kosten viel Energie und Zeit für alle Mitglieder. Danach sollen sie wieder in Ruhe trainieren können.

Junger Vereinsvorsitzender, traditionsreiche Veranstaltung

Person
Florian Allramseder ist von 2004 bis 2016 aktiv Motocross gefahren. Sein bestes Ergebnis: ein fünfter Platz beim BW-Pokal, der aber seiner Ansicht nach aufgrund eines Wertungsfehlers zustande kam. Der 31-Jährige hat Bauingenieurwesen studiert und ist als Bauleiter tätig.

Programm
Das 62. Reutlinger ADAC Motocross findet am Samstag und am Sonntag, 18. und 19. Mai, statt. Am Samstagvormittag trainieren die Fahrer, am Nachmittag werden die Qualifikationsrennen für die Europameisterschaft ausgetragen sowie zwei Wertungsläufe für den ADAC/DMV BW-Pokal. Am Sonntag läuft vormittags das Warm-up, von 12.30 bis 17 Uhr ist wie am Samstag Rennaction – auch um den Titel der Deutschen Meisterin. Samstags ist freier Eintritt, sonntags kostet das Ticket zehn Euro, für alle unter 16 Jahren bleibt das Zuschauen kostenlos.