Radler gegen Bahn: Die Kreuzung Tal-/Landhausstraße ist blockiert. Foto: 7aktuell.de - 7aktuell.de

Bei den jüngsten Unfällen im Schienennetz spielt Leichtsinn als Ursache eine große Rolle. Nach dem Unfall ist die Kreuzung Tal- und Landhausstraße blockiert.

StuttgartSchon wieder ein Unfall mit einer Stadtbahn – diesmal im Stuttgarter Osten. Nach den Erkenntnissen der Polizei, hat ein 54-Jähriger seinen Leichtsinn mit schweren Verletzungen bezahlt. Der Unfall am Montag um 9.25 Uhr im Bereich der Talstraße löste außerdem lange Staukolonnen auf den Straßen aus, es kam außerdem reichlich zu Behinderungen und Verspätungen im Stadtbahnnetz.

Der 54-jährige Radler ist mit seinem elektrisch unterstützten Fahrrad in der Talstraße bergwärts Richtung Gablenberg unterwegs, als er auf Höhe der Landhausstraße nach rechts abbiegen will. Laut der Polizei zeigt die Ampel Rotlicht, auch die Fußgängerfurt zeigt Rot. Der Grund: Von links nähert sich eine Stadtbahn der Linie U 4, die in Richtung Innenstadt und Hölderlinplatz im Stuttgarter Westen unterwegs ist. Der Radler zieht knapp vor der Stadtbahn in die Landhausstraße, doch der Abstand zu den Schienen ist zu schmal und die Stadtbahn schon viel zu nahe. Der 38-jährige Fahrer der Stadtbahn reißt den Fahrhebel nach hinten und leitet eine Gefahrenbremsung ein. Doch das hilft alles nicht mehr: Der tonnenschwere Zug erfasst das E-Bike mitsamt dem Pedaleur, zieht beide unter die Front und schleift sie mehrere Meter mit. Der 54-Jährige, ohne Schutzhelm unterwegs, erleidet bei der Kollision schwere Verletzungen. Feuerwehr und Rettungskräfte versorgen den Mann an Ort und Stelle, um ihn anschließend in ein Krankenhaus einzuliefern. Der Stadtbahnverkehr ist auf dieser Achse unterbrochen. Wegen des Unfalls kann die Stadtbahnlinie U 4 die Haltestellen Ostendplatz, Ostheim Leo-Vetter-Bad, Gaisburg und Wangener-/Landhausstraße in beiden Richtungen nicht anfahren. Es gibt aber eine Ausweichmöglichkeit über die Strecke der Linien U 9 und U 13 über Raitelsberg. Die Unfallaufnahme dauert bis gegen 10.20 Uhr. Derzeit häufen sich die Unfälle, bei denen Radfahrer und Fußgänger zumeist unaufmerksam vor die Front einer Stadtbahn geraten. Am vergangenen Freitag hatte ein 42-jähriger Stadtbahnfahrer der Linie U 1 keine Chance, als in der Tainerstraße in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) ein Fußgänger vor ihm über die Gleise lief. Auch in diesem Fall hatte der Passant laut der Polizei nicht auf den Schienenverkehr geachtet.

Weitere zwei Tage zuvor, am vergangenen Mittwoch, überquerte eine 16-Jährige an der Haltestelle Friedrichswahl in Zuffenhausen einen Gleisüberweg – und übersah eine herannahende Stadtbahn der Linie U 7. Sie wurde beim Zusammenstoß schwer verletzt. In der Bahn stürzte ein elfjähriges Mädchen durch das plötzliche starke Bremsmanöver und erlitt leichte Verletzungen. Am 16. Januar wurde ein 51-jähriger Fußgänger lebensgefährlich verletzt, als er in der Schmidener Straße in Bad Cannstatt am Gleisüberweg nicht aufpasste. Am Tag davor erlitt ein zehnjähriger Bub leichte Verletzungen, als er mit seinem Fahrrad in der Jahnstraße in Degerloch gegen eine Zahnradbahn prallte. Mehr als 100 Stadtbahnunfälle ereignen sich pro Jahr in Stuttgart – und auch für das vergangene Jahr scheint dieses Niveau weiterhin zu gelten. „Die Unfallstatistik“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn, „liegt allerdings noch nicht vor“. Vor fast genau einem Jahr gab es das letzte Todesopfer auf dem Gleis. Ein 22-Jähriger starb damals in Bad Cannstatt.

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