Die Überlegungen für die Zukunft des Hochschul-Areals an der Esslinger Flandernstraße, wo rund 500 neue Wohnungen entstehen können, werden konkreter: Sieben Planungsbüros haben ihre Konzepte eingereicht – am Ende gab es einen klaren Sieger.
Die Zeit läuft: Zum Sommersemester 2026 soll die Hochschule Esslingen in ihr neues Domizil in der Weststadt umziehen und ihren Campus an der Flandernstraße räumen. Dann ist dort der Weg frei für ein ambitioniertes Bauprojekt mit rund 500 neuen Wohnungen. Nach Jahren des Stillstands hat die Stadt zuletzt die Planungen vorangetrieben. In einem zweistufigen Werkstattverfahren haben sieben Planungsteams Konzepte für das neue Quartier entwickelt. Nun hat eine Jury den besten Entwurf gekürt, der die Grundlage für einen städtebaulichen Rahmenplan liefert.
Eine Studie hatte schon vor Jahren erste Hinweise geliefert. Daraus wurden fünf Thesen für eine nachhaltige Zukunft des Areals formuliert: Die vorhandenen Gebäude sollen möglichst nicht abgerissen, sondern im Idealfall weiter genutzt werden. Ausgehend vom Bestand und vorhandenen Qualitäten sollen sich Identität und Strukturen des Quartiers entwickeln. Bestehende Infrastrukturen sollen weiter genutzt, neue Versiegelungen sollen vermieden werden. Baumbestand und Grünflächen sollen erhalten bleiben. Parallel dazu ließ die Stadt in zehn Gutachten bereits Aspekte wie Statik, Altlasten oder Artenschutz überprüfen.
Sieben Planungsteams machen Vorschläge
Sieben Planungsteams haben sich zuletzt an einem mehrstufigen Werkstattverfahren beteiligt, das Aufschluss über die städtebaulichen Möglichkeiten auf dem Campus liefern sollte. Eine Jury sprach sich einstimmig für den Entwurf von Octagon und Studiofutura aus, Platz zwei ging an das Münchner Büro Planstatt Senner. Der Entwurf von Octagon und Studiofutura habe „bei vielen fast schon Begeisterung ausgelöst“, berichtete OB Matthias Klopfer. Er schätzt am gewählten Verfahren, „dass unterschiedliche Perspektiven unseren Blick geweitet haben“. Gerade in der Unterschiedlichkeit der Konzepte sieht Klopfer den Reiz dieses Wettbewerbs. Was ihn besonders freut: „Die beiden Erstplatzierten haben die architektonischen Qualitäten der Gebäude aus den 1970er Jahren aufgegriffen und einbezogen.“
Der Jury-Vorsitzende Professor Sebastian Zoeppritz fand das mehrstufige Werkstattverfahren „hoch spannend“ und angesichts der Komplexität der Aufgabe gut gewählt. Den Wettbewerbssiegern – dem Architektur- und Stadtplanungskollektiv Octagon aus Leipzig und dem Berliner Landschaftsarchitekturbüro Studiofutura – bescheinigte Sebastian Zoeppritz einen angemessen sensiblen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und der Natur.
Offen für verschiedene Wohnformen
Das Hauptgebäude des Campus, die so genannte Akropolis, soll weiter über allem thronen. Die vorgelagerten Gebäude sollen – wo es sich anbietet – aufgestockt werden. Lässt die Statik eine Aufstockung nicht zu, soll an derselben Stelle – quasi „auf dem Fußabdruck“ des Bestandsgebäudes – neu gebaut werden. Geplant ist ein neues Quartier, das verschiedene Wohn- und Nutzungsformen zulässt. Es soll Co-Working-Plätze geben, die entstehende Infrastruktur soll nicht nur das neue Viertel im Blick haben, sondern auch die angrenzenden Bereiche in den Blick nehmen.
Bestehende Wegeverbindungen sollen weiter genutzt werden. Die Kult-Kneipe Vier Peh haben sowohl der Oberbürgermeister als auch die Planer im Blick. „Das ist ein emotional stark besetzter Ort, der seinen Charakter bewahren muss“, betont Sebastian Zoeppritz. Offen ist, ob es beim bisherigen Standort bleiben soll oder ob ein adäquater neuer Platz vor Ort gefunden werden soll. Generell soll es ein lebendiges Quartier werden, dessen neue Mitte für die Allgemeinheit zugänglich und von der Flandernstraße aus gut erkennbar sein muss.
„Gute Grundlage für weitere Planung“
„Der Siegerentwurf bildet eine gute Grundlage für unsere weiteren Planungen“, ist Baubürgermeister Hans-Georg Sigel überzeugt. In den kommenden Monaten wollen Stadtplanungsamtschef Axel Fricke und sein Team den Siegerentwurf zusammen mit Octagon und Studiofutura weiter verfeinern. Klar ist für Fricke: „Wir werden sehr auf Qualität achten. Die Grundlagen dafür sind da.“ Einige Fragen sind noch offen. So ist etwa zu klären, was aus dem bestehenden Parkhausbereich wird, wie das Entree zum neuen Quartier aussehen soll, wie der Anschluss an die bestehende Wohnbebauung auf der Flandernhöhe gestaltet wird, wo sich ein künftiger Bolzplatz anbieten würde, und wie die Zufahrt zu einer möglichen Tiefgarage gestaltet werden könnte.
Sind all diese Fragen beantwortet, kann der Gemeinderat im dritten oder spätestens vierten Quartal dieses Jahres entscheiden. Dann kann die Stadt mit der Investorensuche beginnen, wobei sich OB Matthias Klopfer wohl bewusst ist, dass die Zeiten für Neubauprojekte schon weitaus einfacher waren. Dass ein Bauvorhaben dieser Größenordnung seine Zeit braucht, ist für den Oberbürgermeister ohnehin klar: „Dieses Projekt wird uns bis weit in die 2030er Jahre begleiten. Wie schnell es sich realisieren lässt, hängt ganz stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.“ Dennoch ist Klopfer überzeugt, dass der Hochschul-Campus an der Flandernstraße Potenzial hat: „Das ist eines der Top-Projekte in der Region.“ Die Stadt Esslingen will dort auch selbst präsent sein und 150 Appartements für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa des Klinikums bauen.
Neustart an der Flandernstraße
Das Projekt
Der Hochschulstandort an der Esslinger Flandernstraße trägt die architektonische Handschrift der 1970er Jahre. Prägendes Element ist ein achtgeschossiges Seminarhochhaus, dem Planer eine hohe gestalterische Qualität attestieren. Vorgelagert sind zwei- bis viergeschossige Bauten, die sich gestaffelt dem Hang anpassen. Wenn die Hochschule 2026 in die Weststadt umzieht, übernimmt die Stadt das knapp sieben Hektar große Areal an der Flandernstraße. Eine Studie hatte schon vor Jahren gezeigt, dass wesentliche Teile der heutigen Hochschulgebäude als Wohn-, Arbeits- oder Freizeitbereiche genutzt, aufgestockt und bei Bedarf mit Neubauten kombiniert werden könnten. Auf diese Weise soll „ein spannungsvolles, hochwertiges Quartier“ entstehen, das mit dem Slogan „Wohnen in Panoramalage“ wirbt.
Der Wettbewerb
Um zu klären, wohin die städtebauliche Reise geht, hat sich die Stadt für ein so genanntes Werkstattverfahren entschieden: Am Ende der ersten Phase haben die teilnehmenden Büros ihre Vorstellungen einer Jury und der Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. In einer zweiten Phase konnten die Planungsbüros ihre Konzepte auf dieser Grundlage weiterentwickeln. Eine Jury hat diese Entwürfe dann genau unter die Lupe genommen – das Siegerkonzept ist nun Grundlage der weiteren Planungen.