Eine Wende verspricht die Kreisverwaltung nicht, Foto: dpa/Michael Kappeler - dpa/Michael Kappeler

Der Landkreis Esslingen erarbeitet ein Integriertes Klimaschutzkonzept. 26 Gemeinden und Städte beteiligen sich. Im Oktober werden die Maßnahmen vorgestellt

Kreis EsslingenDas Klimaschutzpotenzial im Kreis Esslingen optimal ausschöpfen – das will der Landkreis mit dem „Integrierten Klimaschutzkonzept“ (IKK) erreichen. 26 Städte und Kommunen machen mit, weitere acht haben bereits ein eigenes Konzept, darunter die Stadt Esslingen, Ostfildern und Aichwald. Gefragt sind nicht nur die Kommunalverwaltungen, sondern auch die Bürger sollen sensibilisiert werden und schauen, welchen Beitrag zur CO2-Reduzierung sie selbst leisten können.

Die Ist-Analyse für den Landkreis hat das Heidelberger Institut Energie- und Umweltforschung (Ifeu) erstellt. Seit April haben außerdem fünf Workshops mit Fachleuten, Vertretern von Gemeinden, Vereinen, der Hochschule Esslingen, ADFC und EnBW im Landratsamt stattgefunden. Im Oktober soll nun ein Katalog mit Maßnahmen vorgestellt werden. Wenn der Kreistag dann das Konzept verabschiedet, kann es ab 2020 umgesetzt werden.

Der Landkreis Esslingen zählt beim Klimaschutzkonzept nicht zu den schnellsten. Etliche Kreise haben den Plan schon fertig. Nicht schlimm, findet Marion Leuze-Mohr, Erste Landesbeamtin im Kreis und damit Stellvertreterin des Landrats. Jetzt sei der „richtige Zeitpunkt“, nun stoße man auf Akzeptanz und Wahrnehmung. Außerdem sei auch ohne integriertes Konzept schon vieles passiert, zum Beispiel beim öffentlichen Nahverkehr oder mit dem kürzlich vorgelegten Konzept zur Elektromobilität. Aber jetzt beginne die Vernetzung der Maßnahmen. Im Kreishaushalt 2020 werde man Mittel bereitstellen, kündigt Leuze-Mohr an.

Die Daten der Kommunen hat das Institut Ifeu schon gesammelt. Allein das Zusammenstellen von Energie- und Treibhausgas-Bilanzen habe in den Gemeinden schon einen Aha-Effekt ausgelöst, glaubt Leuze-Mohr. Den hat sie auch bei sich selbst festgestellt. „Jeder, der am Klimaschutzkonzept arbeitet, verändert sich.“ An diesem Morgen ist die Erste Landesbeamtin zwar wieder mit dem Auto zur Arbeit gefahren, aber sie überlege sich öfter als vor einem Jahr, welches Verkehrsmittel sie nutze.

Parallel zum Daten sammeln und Potenzialanalysen erstellen, hat Stefanie Drautz als Projektmanagerin Klimaschutz zu Workshops im Landratsamt eingeladen, zum Beispiel zu Energieversorgung, Stadt- und Siedlungsentwicklung, Mobilität und Verkehr, Ernährung und Konsum. Kann man Neubaugebiete energieautark gestalten? Diese Frage hat die kommunalen Vertreter stark beschäftigt. Der Verzicht auf fossile Brennstoffe ist eine riesige Herausforderung.

Die Städte und Gemeinden haben nach Ansicht von Marion Leuze-Mohr mit ihrer Planungshoheit einen großen Gestaltungsspielraum. Sie könnten beispielsweise Vorgaben zur Nutzung von Solarenergie und Dachbegrünung machen. Intensiv diskutierten die Bürgermeister auch über Siedlungsentwicklung. Auf der einen Seite steht die Forderung, die knappe Fläche dichter zu nutzen, andererseits ist das eigene Häusle immer noch gefragt. Wie kann eine Gemeinde den Spagat schaffen und künftig attraktiv bleiben?

Hochinteressant fand Leuze-Mohr auch den Workshop Ernährung/Konsum. Vielen Teilnehmern sei nicht klar gewesen, wie klimarelevant dieses Thema sei. Bewusster Kauf von Lebensmitteln und Kleidung, Foodsharing, Reparaturcafé sind einige Ansatzpunkte beim Konsumverhalten.

50 Vorschläge

Aus der Vielzahl möglicher Maßnahmen soll der Landkreis selbst 50 auswählen, sagt Alexandra Köppen, die Leiterin des Umweltschutzamtes. Das Programm müsse realistisch sein. Den Kreis mit seiner Verwaltung versteht Leuze-Mohr als Bewusstseinsbildner und auch als Vorbild. So erhalten die Beschäftigten im Landratsamt bereits einen Zuschuss von 80 Prozent fürs Job-Ticket. Die Verwaltung beteiligt sich auch am Programm „Mit dem Rad zur Arbeit“. Die Außendienstler nutzen seit Jahren schon das Stadtmobil, machen also Car-Sharing. Fünf Hybridfahrzeuge soll das Wasserwirtschaftsamt Anfang 2020 in Betrieb nehmen. Und beim Bau des neuen Landratsamtes soll ebenfalls auf die Treibhausgas-Bilanz geachtet werden.

Die 26 Gemeinden sollen jeweils etwa ein Dutzend Maßnahmen priorisieren, aber jede legt ihre eigenen Schwerpunkte fest. Auch sie fangen nicht bei Null an. Sie haben mit Radwegkonzepten, Ladesäulen für E-Fahrzeuge, Bürgerbus, Förderung von Carsharing und effizienter Straßenbeleuchtung schon manchen Schritt zur CO2-Reduzierung gemacht.

Die Protokolle der IKK-Workshops findet man auf der Homepage des Landratsamtes: www.landkreis-esslingen.de

Das Integrierte Klimaschutzkonzept ist Teil der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Für Förderung und Beratung ist der Projektträger Jülich zuständig.

www.bmu-klimaschutzinitiative.de

www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen.

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