Neue Filiale in der Reinsburgstraße: Eis von Old Bridge gibt es nun auch aus dem Automaten. Foto: Old Bridge (li)/Nina Scheffel (re.)

Ein neuer Eis-Automatenkiosk der Eisdiele Old Bridge hat kürzlich in Stuttgart-West eröffnet. Doch nicht nur Eis gibt’s im Kessel rund um die Uhr. Was hinter dem Automaten-Boom steckt.

Der Supermarkt oder das Restaurant hat noch nicht geöffnet oder schon geschlossen? In Stuttgart ist das längst kein Problem mehr, denn der Trend zur 24-Stunden-Selbstbedienung boomt. Egal, ob Snacks, Getränke, Blumen oder E-Zigaretten – alles kann man sich mittlerweile rund um die Uhr aus dem Automaten lassen.

Doch hinter dem Business steckt mehr: Denn die Betreiber, die hinter den Automaten-Kiosken stehen, kommen teils ursprünglich aus der traditionellen Gastronomie oder dem Einzelhandel und bauen sich in Zeiten von Inflation und hohen Mieten mit den Automaten ein zweites Standbein und ein neues Geschäftsfeld auf.

Einer von ihnen ist Marc Westlein, der in der Stuttgarter Innenstadt bereits die beiden Old Bridge-Eisdielen in der Bolz- und der Eberhardstraße betreibt. Anfang Juli hat er im Stuttgarter Westen seinen ersten Automatenladen eröffnet (wir berichteten). Eine Eistheke gibt es hier nicht, Eis-Fans ziehen sich ihren Eisbecher direkt aus der Maschine.

Geschäft mit gleicher Qualität, aber neuem Konzept

„Die Situation der Einzelhändler und Gastronomen in unserem Bereich hat sich drastisch verändert. Man hat immer höhere Personalstrukturen, die Mieten, aber auch die Kosten für Lebensmittel sind wahnsinnig gestiegen“, sagt Westlein. „Die Kosten eines kleinen Familienbetriebs sind so nicht mehr haltbar. Unsere Lösung war: Wir führen das Geschäft mit gleicher Qualität weiter, aber wir organisieren es anders.“

Im Eis-Automatenladen in Stuttgart-West gibt es sowohl Eisbecher mit ausgewählten Sorten als auch Snacks und Getränke. Foto: Kopfmedia/Old Bridge

Ein Vorteil, den Westlein im Automatenladen sieht: Personal kann je nach Bedarf zum Auffüllen eingesetzt werden, einen festen Schichtplan für Service-Personal wie in der Eisdiele, der beispielsweise in Schlechtwetter-Phasen nicht mehr angepasst werden kann, gibt es nicht. „Wir müssen uns nur um Produktion und Bestückung der Automaten kümmern – bei letzterem können wir uns an der jeweiligen Nachfrage orientieren – welche Eissorten im Automaten fehlen, wird uns automatisch über das System mitgeteilt.“

Mit einer neuen Filiale außerhalb der Innenstadt hätte Westlein diese Erleichterungen nicht – im Gegenteil. „Das lohnt sich leider nicht. Wir haben dort viel zu wenig Kundschaft – und das für die gleichen Kostenstrukturen wie in der Innenstadt.“

Günstigere Preise, geringere Personalkosten

Der Eis-Automatenladen hingegen kommt seit seiner Eröffnung im Juli in der Reinsburgstraße gut an, das Feedback ist positiv. „Die Leute freuen sich, dass sie unser Eis nun nicht mehr nur in der Innenstadt, sondern auch rund um die Uhr im Westen bekommen“, so der Gastronom. „Wir haben Kunden, die morgens um acht Uhr ein Eis kaufen, aber auch welche, die um drei Uhr nachts vorbeikommen.“

Dass man sich hier Kosten spart, etwa am Personal, gibt Old Bridge auch an die Kunden weiter, wie Westlein sagt. So kostet der Becher mit drei Kugeln aktuell fünf Euro am Automaten, während man in den Filialen in der Innenstadt schon mal um die sieben Euro zahlt.

Die Vorteile hinsichtlich der Personalkosten sieht auch Michael Heinz. Der Stuttgarter, der den Kiosk am Schlossplatz betreibt, setzt bereits seit längerem auf ein zweites Standbein in Form eines Automaten-Kiosk (wir berichteten). Dieser E-Kiosk darf auch sonntags geöffnet bleiben, ohne mit dem baden-württembergischen Ladenöffnungsgesetz zu kollidieren. Zudem habe Heinz vor allem nachts, egal ob wenig oder viel los sei, keine Personalkosten. Wie Marc Westlein von der Old Bridge-Eisdiele beobachtet auch er durch die durchgehenden Öffnungszeiten zusätzliche Konsum-Zeitfenster. Den meisten Durchlauf gäbe es abends und nachts.

Neue Kundschaft in der Nacht, Stammkunden bleiben treu

Während der E-Kiosk so vor allem auch Kundschaft im Nachtleben findet und nicht mit Supermärkten konkurrieren muss, stellt günstigeres Supermarkt-Eis auch für den Gastronomen Marc Westlein keine Bedrohung dar, wie er selbst sagt. „Wir setzen auf unsere bewährte Qualität und die handwerkliche Tradition – unsere Stammkunden kommen auch zum Automatenladen. Wer sich an einer Großpackung Eis satt essen will, der geht natürlich in den Supermarkt, zu uns kommen die Genießer.“

Deshalb will Marc Westlein auch künftig auf diese Strategie setzen und plant schon einen zweiten Automatenladen. „Wir suchen konkret nach einem zweiten Standort in der Umgebung“, verrät er. „Dass kann in Nord, Süd oder Ost sein – wir versuchen einen Platz zu finden, der ein Treffpunkt ist und wo wir viele Anwohner ansprechen können.“

Stuttgarterinnen und Stuttgarter stehen dem Trend zur Selbstbedienung offen gegenüber – neben dem neuen Eis-Automaten ploppen schon seit längerem in allen Bereichen der Stadt einzelne Automaten und ganze Automaten-Läden auf. Der Selbstbedienungs-Supermarkt Kübler-Go am Feuersee, die Bertie Goods-Filialen in Stuttgart-West und Süd, der Automaten-Kiosk „Dein SnackEck“, ebenfalls im Süden sowie der Regiomat für Produkte aus regionalem Anbau sind nur einige Beispiele. Viele weitere – darunter auch Automaten mit besonderer Füllung – gibt es hier >>>