Der Chef der SPD-Ratsfraktion, Andreas Koch (links), hat sein Amt an Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Künftig wird der SPD-Landtagsabgeordnete Nicolas Fink Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, Andreas Koch wird weiterhin als Stadtrat die Esslinger Kommunalpolitik mit bestimmen.

EsslingenEr führte 21 Jahre lang die SPD-Gemeinderatsfraktion und hat die Esslinger Kommunalpolitik entscheidend mit geprägt. Und viele können sich nur schwerlich vorstellen, dass Andreas Koch nicht länger an der Spitze der sozialdemokratischen Ratsmitglieder steht. Nun zwingt ihn eine Parkinson-Erkrankung, etwas kürzerzutreten. Engagiert, kompetent, ausgleichend, wenn nötig streitbar, doch immer fair – so wird er gern beschrieben. Und selbst diejenigen, die mit dem einstigen Rundfunkpfarrer nicht immer einer Meinung waren, zollen ihm Respekt. Auf all das soll die Esslinger Kommunalpolitik auch künftig nicht verzichten. Koch will sich weiter als Stadtrat engagieren – nur die alles andere als unerhebliche Zusatzbelastung eines Fraktionsvorsitzenden muss er mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit in andere Hände legen. Dass er mit dem SPD-Landtagsabgeordneten und früheren Aichwal­der Bürgermeister Nicolas Fink, den die Fraktion nun einstimmig zum Vorsitzenden gewählt hat, einen veritablen Nachfolger vorweisen kann, dürfte Koch die Entscheidung erleichtert haben.

„Es ist ein wichtiges Kapitel in meinem Leben gewesen“, sagt der 66-jährige Koch mit Blick auf seine Zeit als Fraktionsvorsitzender. „Mehr noch und ganz ehrlich: Es war 21 Jahre lang mein Leben. Und es war mir eine Ehre.“ Deshalb sei ihm dieser Schritt nicht leicht gefallen: „Aber auf die damit hoffentlich verbundene Erleichterung freue ich mich. Und mit Nicolas Fink steht ein Nachfolger bereit, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Es ist also genau der richtige Augenblick, den Fraktionsvorsitz abzugeben. Als Stadtrat und Fraktionsmitglied bleibe ich der SPD ja erhalten.“

Personelle Wechsel gehören zum politischen Geschäft. Wenn Andreas Kochs Stellvertreterin Christa Müller und der Esslinger SPD-Vorsitzende Daniel Blank nun unisono von einem „historischen Moment“ sprechen, wird deutlich, welche Zäsur diese Entscheidung bedeutet. Seit 1992 gehört Koch dem Gemeinderat an, seit 21 Jahren ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion – länger als jeder seiner Vorgänger: Karl Hettich, Walter Hirrlinger und Otto Weinmann hatten die Fraktion jeweils elf Jahre lang geführt.

Wenn Koch auf seine Zeit als Fraktions-Chef zurückblickt, spricht er von „guten Jahren für Esslingen“. Viele zukunftsträchtige Entscheidungen seien – auch auf Initiative seiner Fraktion – getroffen worden. Dabei Kurs zu halten, war ihm wichtig, weil er überzeugt ist, „dass persönliche politische Überzeugungen nicht an der Börse für Wahlaussichten gehandelt oder gar verscherbelt werden dürfen“. Allein die Tatsache, dass die SPD bei der Kommunalwahl im Mai zwei Sitze verloren hat, schmerzt ihn. Umso mehr will er weiter als Fraktionsmitglied Akzente setzen, schließlich sieht er sich selbst als „Kommunalpolitiker aus Leidenschaft“. Und ein bisschen empfanden ihn manche schon bisher als das, was er künftig sein will: als „Elder Statesman“.

Nun wird Nicolas Fink die SPD-Fraktion führen, den zweiten Stellvertreter-Posten neben Christa Müller übernimmt Heidi Bär von Fink. Der Abgeordnete, der im Mai den Einzug in den Gemeinderat geschafft hatte, zollt seinem Vorgänger Respekt und will Kochs Arbeit weiterführen. Und er betont „den hohen Stellenwert, den Andreas Koch für die Esslinger Kommunalpolitik und ganz besonders für die SPD hat und auch in Zukunft haben wird“. Ihm gehe es nicht darum, die Fußstapfen seines Vorgängers auszufüllen – lieber will er eigene Spuren hinterlassen und seinen eigenen Stil pflegen. Für die neue Aufgabe fühlt sich der 43-Jährige gerüstet: „Ich war Gemeinderat und Bürgermeister. Da kennt man beide Seiten und bringt die nötige kommunalpolitische Kompetenz mit.“ Die Esslinger SPD sei im Gemeinderat bestens aufgestellt und wolle weiter die Nähe zu den Bürgern pflegen. In der Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen und der Stadtverwaltung sei es ihm vor allem wichtig, „dass man anständig miteinander umgeht, auch wenn man mal Kante zeigen muss“. Der Verwaltung sagt Fink „eine konstruktiv-kritische Begleitung“ zu.

Dass die Wahl des neuen Vorstands für die Fraktion ein emotionaler Moment war, verrät Daniel Blank. Koch sei „für die SPD, den Gemeinderat und die Stadt insgesamt ein Glücksfall“. Dass er nicht länger an der Spitze der SPD-Ratsmitglieder stehen kann, werde von allen sehr bedauert: „Andreas Koch hat sein Amt mit großer Sachkenntnis, Fleiß und Disziplin ausgefüllt. Deshalb ist es ein großer Verlust, dass er nun gesundheitshalber kürzertreten muss.“ Immerhin biete der Wechsel auch eine Chance: „Man darf nicht nur an das Jetzt, sondern muss auch an die Zukunft denken.“ Mit Nicolas Fink habe man jedoch genau den richtigen Nachfolger gefunden: „Er hat eine enorm positive Ausstrahlung und versteht es, andere mitzunehmen und zu begeistern. Er mag die Menschen, und das spürt man. Gerade in Zeiten gesellschaftlichen Wandels braucht man Menschen, die zeigen, dass man Lust auf Zukunft haben kann, weil man sie gestalten kann.“

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