Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Ein Umzug der Superlative: Bis zu 2500 Hästräger sangen, tanzten und musizierten am Rosenmontag in der Böblinger Innenstadt.

Auf dem Elbenplatz floss das Konfetti und über die Köpfe regnete das Bier – oder so ähnlich. Der Rosenmontagsumzug von Grün-Weiß Böblingen wartete in diesem Jahr mit einem Rekord auf. 72 Gruppen waren gekommen und formten den größten Fasnetsumzug, den Böblingen jemals gesehen hat.

Vorne weg fuhr wie gewohnt der Veranstalter, die Narrenzunft Grün-Weiß. Die Leute tanzten oder sangen, die Hexen verströmten schaurig grüne Rauchwolken oder malten harmlosen Passanten Herzchen oder Besen auf die Wangen und verteilten als kleinen Ausgleich Neutralseife zum Abschminken, dermatologisch getestet, stand jedenfalls drauf.

Umzug der Superlative 20 000 Zuschauer standen am Weg

Dieser Umzug der Superlative vereinte etwa 20 Hexenwagen, 2000 bis 2500 Hästräger und 20 000 Zuschauer. Das Einzugsgebiet der Böblinger ist immens: Die Brisachhexen sind sogar 197 Kilometer aus Breisach am Rhein hergeflogen, um ihre Grimassen in Böblingen zu schneiden. Und das auf dem Besen!

Nur 31,95 Kilometer hatten die Köngener Waldhutzele Anmarschweg, und sie waren hier, weil sie den Böblingern ewig dankbar sind. Sie hatten letzte Saison keinen Umzug und riefen einfach bei Grün-Weiss Böblingen an. Als sie die Antwort erhielten, „euch bringen wir auch noch unter“, wurde das zum Beginn einer langen Hexenfreundschaft.

Der Umzug, der auf seiner Route durch die Böblinger Altstadt führte, begann am Elbenplatz. Ein dutzend Buden versorgten die Leute mit eigens gebrautem Böblinger Fasnetsbier und genügend Essen. Darunter war auch der Stand von Thomas Würth, der vom Fellschwanz bis zur Blechtasse alles verkaufte, was der Narr so brauchen könnte. Welcher Artikel besonders begehrt ist? „Na er!“, sagte seine Frau Annette und zeigte auf ihren Mann.

Farbenfroher Fasnetsumzug: Hexenmasken und Benzintrichter

Zwischen den grauslichen Hexenmasken lockerten immer wieder Guggenmusiker und Kostümgruppen den Zug auf. Besonders die Lompamenschle hatten mit die schönsten Kostüme des Tages geschneidert, mit roten, blauen und rosa Glitzerstreifen, Hüten aus Schaumstoff und orangenen Benzintrichtern waren sie echte Hingucker.

Auch schwangen die grün-weißen Hexen unter der holdreizenden Tilda ihre Besen. Giftgrüne Feger könnte man sagen, aber zum Straßenkehren waren sie nicht gekommen, sondern um ausgelassen Fasnet zu feiern. Bevor sie sich dem Zug anschlossen, hatten sie nicht nur wehrlose Zeitungsredaktionen überfallen, sondern haben sich auch in die Seniorenheime gemischt, um dort Freude zu schenken, während ihr grauslicher Schlachtruf „Gift-Grün“ erscholl. Aber sie können auch anders und haben das Publikum mit ihrem schönen Lied vom Dubbl eingelullt: „Ein jedes Kind hat grüne Haaar“, sangen sie.

Böblinger Umzug: Stefan Belz ist Rob der Baumeister

Mit im Wagen von Grün-Weiß war auch Stefan Belz, verkleidet als Rob oder Bob der Baumeister: Rob wie Referat Oberbürgermeister oder Bob wie Böblinger Oberbürgermeister. Er wollte sich einfach bei der Narrenzunft Grün-Weiß für die Arbeit bedanken. Den Dank nahm der Zunftmeister Bela Stahl gerne entgegen, der einen Großteil seiner Freizeit auf die Fasnet verwendet, und der weiß, wenn der Zug an diesem Tag zu Ende geht, muss er am Dienstag den Zug für 2027 zu organisieren beginnen.

Er weiß aber auch, was einen guten Zunftmeister ausmacht: Er muss Vater, Therapeut, Eheberater, Streitschlichter, Busfahrer und Mädle für alles sein. Aber das Schönste ist für ihn, wenn er mit seinen Zunftbrüdern auf dem Wagen steht, die 150 Kilo Bonbons in die Menge wirft, die vielen lachenden Gesichter sieht und die Freude spürt, wenn der Zug durch die Stadt fährt.