Rund 200 Teilnehmer protestieren gegen Windkraftanlagen im Wald zwischen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen. Foto: /Stefanie Schlecht

Gut 200 Teilnehmer protestieren am Samstag auf dem Sömmerdaplatz in Böblingen dagegen, dass in einem Waldgebiet zwischen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen Windräder gebaut werden könnten. Am Mittwoch entscheidet der Böblinger Gemeinderat, wie und ob weitergeplant wird.

Heiß, wie von den Organisatoren angekündigt wurde es den Beteiligten bei Nebel und Temperaturen um den Gefrierpunkt zwar nicht wirklich, aber dafür klangen auch den Nachbarn heftig die Ohren. Gut 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am Samstagvormittag zur Kundgebung auf den Sömmerdaplatz auf der Böblinger Diezenhalde, um unter dem Motto „Gemeinsam unseren Naherholungswald erhalten“ nicht zuletzt unter lautstarkem Einsatz von Trillerpfeifen gegen den Bau von Windkraftanlagen zu demonstrieren.

Eingeladen zu der einstündigen Veranstaltung hatte die parteiunabhängige „Initiative Lebenswertes Böblingen“. Gekommen waren vor allem Bewohner des 9000-Einwohner-Stadtteils Diezenhalde, aber auch solche vom Tannenberg oder Mitglieder befreundeter Initiativen, die sich in Holzgerlingen und Ehningen dem Kampf gegen die Windkraftanlagen im Waldgebiet zwischen den drei Kommunen verschrieben haben. „Bei uns haben extreme Positionen keinen Platz“, betonte Initiator Heiko Haupenthal und bat bei den Anwesenden um Spenden für die rund 1000 Euro Auslagen für die Veranstaltung.

Die „Initiative Lebenswertes Böblingen“ hat die Bürger zur Infoveranstaltung eingeladen. /Stefanie Schlecht

Eva Rott, ebenfalls von der Initiative, hielt ein Plädoyer gegen „Windkraftvorrangflächen in dicht besiedelten Gebieten“. Sie meint, ebenso wie Haupenthal, dass beim Bau eines Windparks im dafür ausgewiesenen Gebiet BB-14 auf dem „Hörnle“ die „Nachteile für Anwohner eindeutig überwiegen“. Rott: „Windkraft in BB-14 muss nicht sein.“ Im Landkreis sei deutlich mehr Fläche für Windvorranggebiete ausgewiesen als eigentlich notwendig. Gemeinsam nahm das Duo vor allem den gar nicht anwesenden Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz ins Visier. Der avisierte Windparkbetreiber Stadtwerke Böblingen mit ihm als Aufsichtsrat, das habe ein „Gschmäckle“. Nur der Gemeinderat könne nun in seiner Sitzung zum Thema am kommenden Mittwoch, 20. November, das Vorhaben noch aufhalten.

FDP: Keine andere Gemeinde plant so nah an Wohngebieten

Aus dessen Mitte sekundierten am Samstag gleich mehrere Vertreter und sicherten dem Anliegen der „Initiative Lebenswertes Böblingen“ ihre Unterstützung zu. Keine andere Gemeinde mit mehr als 50 000 Einwohnern würde in solcher Nähe zur Wohnbebauung Windkraftanlagen planen wie Böblingen, erklärte die FDP-Stadträtin Martina Sieber. „Wir wollen dagegen stimmen“, versprach sie und erhielt dafür viel Applaus. „Abrieb“ und „Infraschall“ führten Martin Langlinderer und Daniela Braun, beide für „Bürger für Böblingen“ im Gemeinderat, als Gegenargumente ins Feld.

Ganz handfest sind dagegen die Bedenken mancher Bürgerinnen und Bürger. „Der Wald war der Grund, warum ich hergezogen bin“, sagte Sylvia Ehrler, die seit 22 Jahren auf der Diezenhalde lebt, „er muss intakt bleiben.“ Sie appellierte an Böblingens OB: „Lassen sie nicht zu, dass aus dem Waldgebiet ein Industriegebiet wird.“ Mit Blick auf moderne Windräder von fast 300 Metern Höhe und damit „höher als der Stuttgarter Fernsehturm“ kritisierte sie das Vorhaben. „Es wird gerodet und eingeebnet“, befürchtet Ehrler. Eine Außenseitermeinung blieb zumindest in diesem Kreis die Stimme eines Anwohners, der sich eher pro Windräder, aber gegen die B 464 und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Natur aussprach und deshalb ausgepfiffen wurde. Daraus aber wie die Demo-Veranstalter zu folgern, dass alle anderen gegen Windräder sind, scheint trotzdem zweifelhaft.