Quelle: Unbekannt

Ein Gespräch zum runden Geburtstag, über Cro, Tops und Flops und schwäbischen Unternehmergeist, mit den Chimperator-Geschäftsführern.

StuttgartVor 20 Jahren fing es klein an, dann kam der große Erfolg und wieder die Verkleinerung. Chimperator mit Sitz in Stuttgart und Berlin ist Plattenfirma und Konzertveranstalter und hat mit dem Wizemann in Cannstatt eine Konzerthalle eröffnet. Ein Gespräch mit den Chimperator-Geschäftsführern Matthias Mettmann (36), Steffen Posner (34), Niko Papadopoulos (35), Sebastian Schweizer (41) und Kodimey Awokou (39).

Ist Chimperator eine schwäbische Mittelstandsfirma?
Papadopoulos: Was sind die Kriterien eines Mittelständlers? Insgesamt haben wir mehr als 100 Mitarbeiter. Von den Umsatzzahlen dürfte es auch passen.

Wie hoch ist der Umsatz?
Papadopoulos: Bei den Produktionen waren es jetzt sechs Millionen Euro im Jahr, im Live-Bereich und mit dem Wizemann dürften es knapp 15 Millionen sein. Ja, das ist wohl mittelständisch.

Schweizer: Niko sieht das von der kaufmännischen Seite. Aber vom Gefühl und unserer Philosophie her passt der schwäbische Mittelstand eigentlich gut zu uns.

2012 kam die Explosion mit Cro, dann wurde Chimperator wieder kleiner.
Awokou: Dieses Gesundschrumpfen hat uns auch gutgetan. Wir haben uns wieder auf unsere Ursprungstugenden besonnen. Wir machen das, was wir gut können. Da ging auf dem Weg ins Große stellenweise auch die Leidenschaft verloren.

2009 kam das Debütalbum des Rappers Kaas heraus. Im Video zu „Amokzahltag“ wurde ein fiktiver Amoklauf dargestellt – veröffentlicht zwei Tage vor dem Amoklauf in Winnenden.

Schweizer: Wir haben das Video gleich runtergenommen und das Album erst mal zurückgezogen. Das Video war eigentlich die Diplomarbeit eines Studenten aus Ludwigsburg. Dann kam Winnenden. Und wir wussten nicht, ob der Täter vielleicht das Lied gehört hatte. Es wurde dann sogar ermittelt gegen Kaas. In TV-Sendungen wurde ihm die Schuld gegeben. Und wir mussten auf einmal mit der Boulevardpresse umgehen. Ab diesem Moment hatten wir einen Anwalt.

Papadopoulos: Es war damals auch wirtschaftlich schwierig. Wir waren Studenten, haben uns von Veröffentlichung zu Veröffentlichung gehangelt. Und die CDs von Kaas waren schon im Lager. Wir mussten sie neu pressen lassen. Das war dann unsere erste Top 100. Mit dem Platz 100.

Dann kam Cro, ein echter Glücksgriff. Was war der Moment, an dem Sie merkten, dass das etwas Großes ist?

Awokou: Das Gefühl, dass er etwas Besonderes und sehr gut ist, hatten wir schon vorher. Dass es so groß wird, konnte man natürlich nicht ahnen. Als die Klickzahlen durch die Decke gingen, merkten wir, dass hier etwas Außergewöhnliches passiert.

Cro spielte im April 2012 im kleinen Universum, ein halbes Jahr später in der ausverkauften Schleyerhalle. Wie wächst man als Firma da so schnell hinein?
Schweizer: Wenn man da mittendrin steckt, merkt man das nicht.

Awokou: Für bestimmte Sachen haben wir uns aber Beratung von außen geholt. Wie geht man zum Beispiel mit einer Anfrage von „Wetten, dass . . ?“ um?

Schweizer: Erfolg kann man nicht planen. Bei Muso beispielsweise war alles da: super Künstler, krasse Musik, gutes Video – aber funktioniert hat es eben nicht.

Der größte Flop war der fiktive Film über Cro, den Sie zusammen mit Til Schweiger produziert haben.
Papadopoulos: Das war der Tiefpunkt. Es war aber interessant zu sehen, wie aufwendig es ist, einen Film zu machen. Das war eine krasse Erfahrung, aber eine teure.

Schweizer: Dieses Projekt ist uns an einem gewissen Punkt entglitten, weil es zu groß war. Da waren so viel Leute, und es war so viel Geld im Spiel. Am Schluss wurde es ein ganz anderer Film, als wir ursprünglich geplant hatten.

Cro hat das Management 2017 seinem Bruder Benno Waibel übertragen, Chimperator ist noch für die Touren verantwortlich. Haben Sie sich „auseinandergelebt“, wie es immer heißt?
Schweizer: Das kann man so sagen. Musik ist etwas sehr Persönliches. Und als Label und Manager redet man dauernd mit dem Künstler darüber. Das ist emotional, und es entsteht eine Bindung, die einer Beziehung sehr ähnlich ist.

Papadopoulos: Es ging nicht im Streit auseinander. Dass er mit seinem Bruder zusammenarbeiten will, kann man verstehen. Jeder hat gern seine Familie um sich.

2015 haben Sie Ihre Konzerthalle im Wizemann eröffnet. Was war der Grund?
Posner: Stuttgart nennt sich Kulturstadt – und in Läden, die kleiner als das Longhorn sind, gibt es backstage nicht einmal eine Toilette Da war Stuttgart zweite Liga.

Mettmann: Der Live-Bereich ist auch eine Säule, die nicht so schnell ins Wanken kommt. Und wir hatten national mit den Touren Erfahrungen sammeln können. Wir wissen, was es braucht, um gut aufgestellt zu sein. Und offensichtlich war es so.

Und wo geht es hin mit Chimperator?
Schweizer: Wir überlegen, wie das Label der Zukunft aussehen kann. In den letzten fünf Jahren hat sich der ganze Markt verändert. Wir müssen definieren, wie wir weitermachen. Wir machen aber weiter.

Das Interview führt Anja Wasserbäch.

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