Vor 100 Jahren startete der Fußball in Deizisau als Arbeitersportverein. Heute spielen auch Mädchen dort Fußball und waren auch beim Umzug vertreten. Foto: Gesa von Leesen - Gesa von Leesen

Vor 100 Jahren bildeten Arbeiter von Deizisau einen Fußballverein. Grund genug für die TSV-Abteilung das Hauptfest mit zwei Festzügen auszurichten.

DeizisauSpielmannszug, Guggemusik, Fußballerinnen, Handballer, Turnkinder, Boogie-Woogie-Tänzer, Tennisspieler – beim Umzug der Vereine in Deizisau darf niemand fehlen. Und so ließ sich auch diesen Sonntag zum Hauptfest 2019 ein sehr langer Festzug bewundern, aus dem Kinder und Erwachsene die am Straßenrand Stehenden mit Bonbons und Lutschern erfreuten.

Wie lange die Vereine von Deizisau bereits jedes Jahr durchs Dorf ziehen, ist nicht ganz sicher. „So seit Anfang der 1920er-Jahre“, sagt Helmut Keusemann. Der 76-Jährige ist Ehrenvorsitzender des TSV Deizisau, hat 16 Jahre lang den Festumzug der Vereine organisiert, heute kann er sich alles ganz gelassen und in Ruhe anschauen. In diesem Jahr ist die Fußballabteilung des TSV der Organisator des Umzugs. Das war er schon öfter – die einzelnen Sparten des TSV wechseln sich ab – aber in diesem Jahr ist der Anlass ein Besonderer: 100 Jahre Fußballverein. 1919 als Arbeitersportverein gegründet (Keusemann: „Deizisau war mal sehr rot.“), dann von den Nationalsozialisten verboten, wurden nach Kriegsende alle Sparten im TSV vereint, sodass der Verein heute um die 2000 Mitglieder hat, davon etwa 650 Kinder, so Keusemann.

Uwe Kohle, seit zehn Jahren Mitglied, ist stolz auf die lange Geschichte. „Das zeigt doch, dass es noch etwas anderes gibt als Smartphones und so.“ Er ist der Jugendkoordinator für die Mädchenfußballer, organisiert Freizeiten, ist „dafür zuständig, dass die Mädels Spaß haben“. Ganz neu wurde jetzt die Mini-Gruppe ins Leben gerufen. „Dafür suchen wir noch Mitspielerinnen zwischen fünf und acht Jahren“, wirbt Kohle.

Seine Mädels haben sich gegen 13 Uhr aufgestellt, warten darauf, dass der Festzug losgeht. Angeführt wird er vom Musikverein Deizisau. Pünktlich stimmt er „Havanna“ an und marschiert los. Ihm folgen die TSV-Sparten, ganz vorne natürlich die Fußballerinnen und Fußballer, Handballerinnen und Handballer, die Turnkinder, die Abteilung Freizeitsport. Es kommt der Skiclub in Dirndl und Lederhose, die „Granada Fetza“ sorgen mit Guggemusik für Stimmung, unter dem Schild „Kätsch mi iff ju kän“ tanzt eine Truppe in Uniformen von Flugkapitänen und –begleiterinnen. Der Obst- und Gartenbauverein schenkt Getränke aus, der Gesangsverein Concordia wirbt per Schild um neue Sänger: „Männer vor – auf zum Chor“, die Narrenzunft marschiert ebenso wie die Freiwillige Feuerwehr und die Boogie Woogie-Truppe „Candy Sticks“ wirbelt in Petticoat beziehungsweise mit Hosenträgern und Schiebermütze um eine Elvis-Imitator herum. Insgesamt 29 Gruppen mit rund 1100 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen repräsentieren ihre Vereine.

Auch Bürgermeister Thomas Matrohs hat sich ein Jubiläums-Shirt der Fußballer mit dem Aufdruck „fußbällr 1919“ übergezogen und verteilt Bonbons. „Ich kenne keinen Ort mit einer ähnlichen Tradition. Zwei Umzüge, am Sonntag der der Vereine, am Montag der Kinderumzug – das sind wir weit und breit die einzige Gemeinde“, sagt er stolz. „Das Hauptfest gehört zur Deizisauer DNS, das ist gelebtes Gemeinschaftsgefühl.“ Dass das Bierzelt auf dem Festplatz gegen Abend mittlerweile viele auch von außerhalb anzieht, die vor allem eins im Sinn haben, Saufen, sieht auch Matrohs. „Aber das Problem haben fast alle Feste. Da kann eine Kommune wenig tun, da ist das Elternhaus gefragt.“ Er freut sich vielmehr auf die Ehrung des Vereins am Sonntagnachmittag und auf das Kinderfest am heutigen Montag. Das wird von der Verwaltung organisiert. „Da steht das öffentliche Leben am Nachmittag in Deizisau still. Alles dreht sich um die Kinder.“

Das Deizisauer Kinderfest mit Umzug beginnt heute um 14.30 Uhr. Höhepunkt ist der Kinderumzug mit rund 700 Kindern und zwei Festwagen. Beendet wird das Fest mit einem Laternenumzug.

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