In der Maschinenhalle finden sich gut erhaltene Zeugen der Vergangenheit. Die Technik soll in eine „Learning Lounge“ integriert werden. Foto: oh Quelle: Unbekannt

Von Christian Dörmann

In die ungenutzte ehemalige Bettfedernfabrik der früheren königlichen Hoflieferanten Kaufmann in der Esslinger Krummenackerstraße soll wieder Leben einziehen. Und zwar studentisches Leben, nachdem das denkmalgeschützte Gebäude vom Kölner Immobilienunternehmen pantera AG saniert worden ist. Voraussichtlich können die Studentinnen und Studenten bis Mitte 2019 in die neuen Wohnungen in historischer Umgebung einziehen.

Platz für 112 Studenten

Die alte Bettfedernfabrik in der Krummenackerstraße 19 hat viele Jahre lang ein von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerktes Dasein geführt. Doch nun entstehen in mehreren historischen Produktions- und Lagergebäuden und in Kombination mit einem Neubau 106 Studentenwohnungen. Der Mix reicht nach Angaben der pantgera AG von 21 Quadratmetern für die Einzelapartments bis hin zu 105 Quadratmetern für Vierer-Wohngemeinschaften. Insgesamt entstehen in der alten Bettfedernfabrik 3670 Quadratmeter Wohnfläche für 112 Studenten, die zum Sommersemester 2019 in das sanierte Haus einziehen sollen.

Stefan Ofcarek von der Projektgesellschaft des Kölner Immobilienunternehmens ist sich sicher: „Dieses Wohnangebot wird in der Stadt sehnlichst erwartet, da es für Studenten wie für andere Wohnungssuchende aktuell kaum möglich ist, passende Unterkünfte zu finden. Und wenn, dann nur zu sehr hohen Preisen.“ Selbst die durchschnittlichen Kosten für ein WG-Zimmer - mit allen Einschränkungen bei Komfort und Nutzung - lägen laut dem Portal WG-Gesucht.de bei rund 343 Euro.

Bei ihren Planungen hat pantera künftige Entwicklungen berücksichtigt. Das gilt vor allem für den geplanten Umzug der Hochschule von der Flandernhöhe in die Weststadt in einigen Jahren. Insofern spricht pantera-Vorstand Michael Ries von einem idealen Standort: „Die Studenten von heute möchten es nicht nur nah zu den Uni-Veranstaltungen haben.“ Auch die Wege zu den Treffpunkten in der Stadt, zum Nahverkehr, zu Geschäften sowie zu kulturellen und sportlichen Einrichtungen müssten kurz sein. Dem aktuellen Trend folgend entwickelt das Unternehmen ein Mobilitätskonzept, zu dem auch fünf E-Bikes gehören, die den Studenten zur Verfügung stehen werden. Es wird überdachte und gesicherte Fahrradabstellplätze und 42 Parkplätze geben.

Lernen vor historischer Kulisse

In der Maschinenhalle der ehemaligen Bettfedernfabrik zeugen auch heute noch seltene und gut erhaltene Maschinen von den Aktivitäten früherer Zeiten (siehe auch Beitrag unten). Sie sind geschützt und werden in eine 150 Quadratmeter große „Learning Lounge“ integriert. In dieser „kreativen Umgebung“ können sich die Studenten nach den Vorstellungen von Michael Ries auf Prüfungen vorbereiten. Auch außerhalb des Gebäudes soll das fast 4300 Quadratmeter große Grundstück Aufenthaltsbereiche und Kommunikationsstätten bieten.

Die Finanzierung des Projektes gründet auf dem Verkauf der Wohnungen. Fast zwei Drittel davon gehören zum denkmalgeschützten Angebot, was laut pantera für die Käufer zu besonderen Steuervorteilen führt. Und auch das Konzept einer „höchstmöglichen Energieeffizienz“ soll die künftigen Eigentümer entlasten.

Firmengelände der königlichen hoflieferanten

Bei dem denkmalgeschützten Gebäude Krummenackerstraße 19 in Esslingen handelt es sich um die ehemalige Lebensmittel- und Bettfedernfabrik der Gebrüder Kaufmann. Wie in dem Band Stadt Esslingen am Neckar des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg über Kulturdenkmale im Land nachzulesen ist, hatte die Esslinger Familie Kaufmann das Firmengelände um 1864 erworben und begann dort eine Geflügel- und Fischzucht mit Lagerung, Verarbeitung und Handel. Bereits im frühen 19. Jahrhundert waren die Kaufmanns königliche Hoflieferanten mit internationalen Handelsbeziehungen. Aus der Gründerzeit der Firma blieb das 1864/65 erbaute, zweigeschossige ehemalige Bürohaus mit Wohnung, Magazinen, Schlachtlokal und Geflügelstall in der Krummenackerstraße 17 erhalten. Im Jahr 1912 wurde schließlich damit begonnen, den Komplex nach den Entwürfen Hermann Falchs entlang der Straße zu erweitern (Nummer 19), wobei der Geiselbach überdolt wurde. Es entstand zunächst der Mittelbau, der 1922 um die Bettfedernfabrik erweitert wurde.

„Die schlichte Architektur des zweigeschossigen Baus mit ehemals hohem Rundbogentor orientiert sich an den Maßstäben des im frühen 20. Jahrhundert aktuellen Heimatschutzstiles und fügt sich so gut in das Geiselbachtal ein“, so die Beurteilung des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege. Im Inneren des Gebäudes finden sich weitgehend originalgetreu erhaltene und seltene technische Zeugen der damaligen Zeit: Linde-Kältekompressoren von 1901 etwa, eine elektrische Schalttafel, eine Transmission (mechanische Kraftübertragung) und eine Aufzugeinrichtung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: