Robert Müller sammelt und verkauft seltene Stromatolithen. Foto: Dannath - Dannath

Fast 2000 Besucher machten die Fossilienbörse in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen zum Mekka für Steineklopfer, Hobby-Sammler und Wissenschaftler.

Leinfelden-EchterdingenEin reger Handel in der Tiefgarage, die ältesten Lebewesen dieser Erde überhaupt und ein Foto eines eventuell noch unbekannten Flugsauriers im Netz – die Fossilienbörse in der Filderhalle hat ihre ganz eigenen Geschichten geschrieben.

Die Händler: Paul Kristensen kommt aus Dänemark und war erstmals bei der Fossilienbörse vertreten. Eyecatcher war ein 3,5 Meter langer Mammutstoßzahn, um den immer wieder zahllose Besucher schlichen. Von Letzteren war der Däne Kristensen im übrigen sehr angetan: „Das ist ein sehr professionelles Publikum hier, das ist perfekt für uns Händler.“ Die mit Abstand ältesten Objekte der Börse hatte Robert Müller dabei: Stromatolithen gehören mit rund 3,5 Milliarden Jahren zu den ältesten bekannten Fossilien. Die biogenen Sedimentgesteine sind durch Wachstum und Stoffwechsel von Mikroorganismen entstanden. „Die Bakterien, die hier ihre Spuren hinterlassen haben, sind die ersten Lebewesen überhaupt“, erklärt Müller. Der Bielefelder hat mit seinem Spezialgebiet europaweit keine Konkurrenz: „Aber wenn man einmal damit angefangen hat, hört man nicht mehr auf. Die Steine lassen einen nicht mehr los.“

Der Veranstalter: Seit 2015 ist Fossilien-Onlinehändler Heiko Sonntag aus Hirschberg für die Organisation der Börse verantwortlich. Seit der Premiere ist die Veranstaltung von Händlerseite stets ruckzuck ausgebucht: „Wir haben das europaweite Alleinstellungsmerkmal, dass bei uns ausschließlich Fossilien gehandelt werden. Sonst gibt es solche Börsen nur in Kombination mit Mineralien, und die machen dann von der Ausstellungsfläche einen größeren Teil aus.“ Rund 2000 Besucher verzeichnete Sonntag an den beiden Tagen, am Eröffnungstag standen die Menschen vor dem Beginn bereits in einer Schlange vor der Türe. „Das sind dann die wahren Sammler, die für besondere Stücke auch mal eine höhere Summe auf den Tisch legen.“ Wobei es die wirklich sensationellen Objekte oftmals nicht einmal bis in die Halle schaffen: „Es gibt einen florierenden Handel in der Tiefgarage. Vor einigen Jahren war zum Beispiel ein Archaeopteryx angekündigt. Gesehen habe ich den allerdings nicht, der hatte bereits den Besitzer gewechselt, bevor er überhaupt in der Halle aufgetaucht ist.“ Das Highlight der diesjährigen Börse waren ein paar seltene, außergewöhnlich gut erhaltene versteinerte Libellen: „Aber die waren gleich verkauft, immerhin haben sie es in die Halle geschafft.“

Die Sammler: Das Ehepaar Jannaschk aus Rheinland-Pfalz ist seit rund drei Jahren vom Steineklopf-Virus infiziert und ist knapp 300 Kilometer gefahren, um die Fossilienbörse zu besuchen. „Wir sind zum ersten Mal hier und sind begeistert“, sagt Uwe Jannaschk. Über Bekannte sind die Jannaschks zum Klopfen gekommen: „Wir haben beide anstrengende Jobs, insofern ist das genau das Richtige für uns. Man ist draußen in der Natur und betätigt sich körperlich.“ Und damit die Funde künftig noch etwas professioneller bearbeitet werden können, leisteten sich die Jannaschks ein Sandstrahlgerät für 1550 Euro: „Das ist natürlich ein Wahnsinnsgeld, aber was bringt es, wenn man seine Objekte nicht in Szene setzen kann?“

Der Wissenschaftler: Gefragter Gesprächspartner war Doktor Günter Schweigert vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. „Es ist immer ein reger Austausch hier und man lernt die Leute kennen, mit denen man bisher nur E-Mail-Kontakt hatte“, sagt der Paläontologe. Für den Wissenschaftler haben die Hobbysammler unschätzbaren Wert: „Ohne die Arbeit der Hobbysammler sähe die Wissenschaft alt aus. Es gibt nur wenige Jobs für Paläontologen und die sind meist mit viel Schreibtischarbeit verbunden. Für Feldstudien bleibt oft nur wenig Zeit. Insofern leisten die Hobbysammler einen wichtigen Beitrag für die Forschung.“ Auf eigene Faust losziehen darf übrigens prinzipiell jeder – nur die Eigentumsverhältnisse des Forschungsgebiets müssen geklärt sein. Besondere Funde müssen beim Naturkundemuseum angemeldet werden. Wenn das Museum das Fundstück als Kulturdenkmal klassifiziert, gehört es automatisch dem Land – wenn nicht, dem Finder beziehungsweise dem Eigentümer des Fundorts.

Die Community: Knapp 5000 Mitglieder zählt die Fossiliencommunity www.steinkern.de. Gegründet wurde sie von Sönke Simonsen, der die Internetseite sowie die zugehörige vier mal im Jahr erscheinende Zeitschrift hauptberuflich managt. In das Forum können kostenfrei Bilder eingestellt werden, um Bestimmungshilfe von Experten zu bekommen. Und just am Tag vor Beginn der Börse hatte ein Nutzer einen Fund aus Sonthofen eingestellt, den die Mitglieder schnell als Skelett eines eventuell noch unbekannten Flugsauriers identifizierten. Das sorgte auf der Fossilienbörse selbstredend für reichlich Gesprächsstoff. „Das ist schon eine kleine Sensation. Man muss jahrelang suchen, bis man einen solchen Fund macht – wenn überhaupt“, sagt Simonsen.

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