Timo Hildebrand war bei den Anschlägen in Paris vor zehn Jahren im Stadion dabei. Der Stuttgarter erinnert sich an ein surreales Erlebnis.
13. November 2015, Stade de France in Paris: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt vor 80 000 Zuschauern gegen Frankreich, ein Freundschaftsspiel. Frankreich gewinnt 2:0, aber das ist nach Abpfiff allen egal. Auch Timo Hildebrand, der mittendrin war im Getümmel, als eine Reihe von Terroranschlägen des Islamischen Staats (IS) Paris erschütterte. 130 Menschen starben.
Der ehemalige VfB- und Nationaltorwart ist Stuttgart treu geblieben, erinnert sich heute noch gut daran, was vor zehn Jahren in Frankreich geschah. „Wir waren auf der Tribüne“, sagt er, „dann haben wir es knallen gehört.“ Und was der erste Reflex eben ist, wenn man ein Fußballspiel live im Stadion anschaut und es Knall wahrnimmt: „Zuerst dachten wir, es sei nur Pyro.“
„Wir waren schockiert“
Was wirklich geschah, dass an mehreren Orten Bomben explodiert waren und das Stade de France ebenfalls eines der Anschlagsziele war, sei Hildebrand erst gegen Ende des Spiels klar geworden. „Wir waren schockiert“, sagt er. Ein Terrorist wurde vor dem Stadion gestoppt, weil die Security am Einlass eine Bombe bei ihm fand. In Pariser Veranstaltungslocation Bataclan schossen Terroristen in die Menge, töteten alleine hier 89 Menschen.
Einige Zuschauer hätten panisch reagiert, seien über den Platz gerannt. „Ich hatte wirklich Glück, dass ich mit dem DFB-Tross unterwegs war“, sagt Hildebrand, „ohne den wäre ich in dieser Situation total lost gewesen.“ Er sei mit dem Verband in die Katakomben gegangen und habe den Transportbus mitgenutzt.
Stadt wie ausgestorben
In Paris, jenseits der Stadionmauern, habe sich Hildebrand ein nicht weniger beängstigendes Bild geboten. „Die Stadt war wie ausgestorben. Sehr gespenstisch und surreal.“ Am Bahnhof sei Militär gewesen. Eigentlich hatte Hildebrand vorgehabt, am Abend noch ein Konzert in Paris zu besuchen. Daraus wurde natürlich nichts – und in Stimmung dafür war er auch nicht gewesen.
Heute, zehn Jahre später, habe er die Erlebnisse ganz gut verarbeitet. Ob er noch manchmal zusammenzuckt, wenn im Stadion ein Böller explodiert? „Nein“, sagt Hildebrand. Solchen Gefühlen solle man am besten nicht nachgeben, denn sonst könne man „nirgends mehr hingehen.“