Drake: Duett mit Stevie Wonder
Dass Drake einmal eine große Karriere machen würde, zeichnete sich schon früh ab. Bereits mit 15 Jahren war der Rapper ein Serienstar in seiner kanadischen Heimat. Acht Jahre und 138 Folgen lang stand er als Basketballspieler in der Serie „Degrassi: The Next Generation“ vor der Kamera. Nebenbei nahm er fleißig Songs auf und stellte sie ins Internet. Dort entdeckte sie auch Rapschwergewicht Lil Wayne und lud Drake spontan in sein Studio ein. Aus dieser Kooperation entsprang nicht nur das großartige Nummer-Eins-Album „Thank Me Later“, sondern auch eine neue Hoffnung für die amerikanische HipHop-Szene. Mit Drake gab es endlich wieder einen erfolgreichen Künstler, der nicht nur auf Features mit Megastars und eingängige Samples als Hitrezept setzte.
Entsprechend hoch war auch die Erwartungshaltung vor seinem zweiten Album „Take Care“. Eins vorweg, sie wurde erfüllt. Doch nun zu den Details: Schon beim ersten Hören wird klar, die Klangwelt hat sich auf „Take Care“ geändert. Der Zweitling ist deutlich ruhiger und balladenlastiger als noch der Vorgänger. Elemente wie entspannte Downbeats, R‘n‘B-Klänge und minimalistischer Elektro nehmen dem Album zum Teil die Tanzflächentauglichkeit und verwandeln es eher in einen Soundtrack der Entspannung. Vielleicht liegt das auch an einem besonderen Gastmusiker – Soullegende Stevie Wonder spielte in „Doing It Wrong“ einen Mundharmonika-Part. Seit dieser Zusammenarbeit sind die beiden gut befreundet und der Altmeister des Soul half bei der Albumproduktion mit einigen wertvollen Tipps. Hochkarätig sind ohne Frage auch die anderen Gäste wie Rihanna, Nicki Minaj und natürlich Lil Wayne.
Geändert haben sich außerdem die Themen der Songs. Es geht mehr um Liebe, Vertrauen und Bodenständigkeit - dabei wirkt Drake sehr nachdenklich, fast schon in sich gekehrt. „Ich musste mir einfach mal wieder die Zeit nehmen, alles etwas ruhiger angehen lassen und meine Gefühle ganz genau unter die Lupe zu nehmen“, erklärt Drake diese Stimmung. Auch dem Rappen hat Drake zu Gunsten des Singens noch etwas mehr abgeschworen. Vielleicht ist „Take Care“ deshalb eher ein Album für die weibliche Hörerschaft und nicht für den harten Rapfan. Trotzdem ist es eins der besten Alben in Amerikas HipHop-Landschaft in diesem Jahr. Auch wenn man das erst richtig merkt, wenn man sich die Zeit dafür nimmt.



Artikel kommentieren