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So was hat man lange nicht geseh 'n

Das 5:0 gegen Hertha BSC sorgt beim VfB Stuttgart für Erleichterung - Labbadia: Wir müssen jetzt dran bleiben

Klare Ansprüche: Die Geduld der Stuttgarter Anhänger wird immer mal wieder auf die Probe gestellt. Und das lassen sie ihre Helden auch wissen.
 

Klare Ansprüche: Die Geduld der Stuttgarter Anhänger wird immer mal wieder auf die Probe gestellt. Und das lassen sie ihre Helden auch wissen.

 

Stuttgart - Aufgabe gelöst und dabei eine Menge Mut und Selbstvertrauen getankt - bei den Bundesliga-Fußballern des VfB Stuttgart herrscht nach dem 5:0 (4:0)-Kantersieg gegen Hertha BSC große Erleichterung, aber keine Euphorie. Dafür gibt es auch keinen Anlass.

Von Sigor Paesler

„Wir woll'n euch kämpfen sehen“, skandierten die VfB-Fans schon vor dem Anpfiff - eine ungewöhnliche Aktion, aber nach dem peinlichen 0:2-Pokalaus am Mittwoch gegen Bayern München mehr als verständlich. Keine eineinhalb Stunden später sangen die Anhänger: „Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht geseh'n.“ Auch damit trafen sie den Kern - der Sieg gegen die Hertha war der erste Dreier der Stuttgarter seit dem 2:1 gegen den FC Augsburg am 20. November vergangenen Jahres. Und der höchste VfB-Erfolg seit dem 7. November 2010 (6:0 gegen Werder Bremen).

Trainer Bruno Labbadia war denn auch wichtig, „dass wir den Zuschauern nach dem schlechten Spiel gegen Bayern etwas zurückgeben konnten“. Erst dann betonte er seine eigene Erleichterung. Um dann gleich klarzustellen, „dass wir das Ergebnis nicht zu hoch hängen dürfen“. Die vier Punkte aus den vergangenen beiden Bundesligaspielen „tun gut, aber wir müssen jetzt dran bleiben“, erklärte der Coach.

Auch er wusste, dass die Stuttgarter reichlich Hilfestellung der Alten Dame aus Berlin erhalten hatten. Dass auch Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) mithalf, indem er Vedad Ibisevics Treffer zum 1:0 (24.) trotz eindeutig gefährlichen Spiels im Fünfmeterraum gab, fiel weniger ins Gewicht. Denn ein Treffer wäre gegen die an diesem Tag nicht bundesligataugliche Hertha wohl nur eine Frage der Zeit gewesen. Vor allem nach der - berechtigten - Roten Karte gegen Andreas Ottl (30.). VfB-Torhüter Sven Ulreich dachte in der Pause ernsthaft darüber nach, etwas Wärmeres anzuziehen - er hatte schlicht nichts zu tun.

Labbadia und die Stuttgarter Fußballer hatten schwere Tage hinter sich. „Wir haben totales Vertrauen in die Mannschaft, weil sie bisher immer aufgestanden ist, wenn sie am Boden war“, betonte der Trainer. Wie groß sein Glaube zuletzt tatsächlich war, lässt sich schwer überprüfen. Sportdirektor Fredi Bobic, der die Mannschaft hinter verschlossenen Kabinentüren vermutlich noch schärfer kritisiert hatte als in der Öffentlichkeit, bekannte schließlich, „dass es die richtige Vorgehensweise war, Gespräche zu führen“.

Vor allem dürfen die Stuttgarter froh darüber sein, dass sie nach ernüchternden Auftritten gegen Spitzenteams - mit Ausnahme von Leverkusen - bestätigt haben, dass sie zumindest gegen eine Mannschaft aus hinteren Tabellenregionen bestehen können. Der Auftritt beim Tabellensiebten Hannover 96 am Sonntag ist für den Neunten aus Stuttgart nun der nächste Prüfstein.

Zumindest dürfte der hohe Sieg gegen die Berliner dem Selbstvertrauen gut getan haben. Vor allem dem des dreifachen Torschützen Martin Harnik, des Debütanten Gotoku Sakai und des Winter-Zugangs Vedad Ibisevic, der seinen ersten Treffer für den VfB erzielte und zudem Harniks 2:0 sehenswert vorbereitete (28.). Der Bosnier profitierte von der Umstellung auf ein System mit einer Spitze, auch wenn er das am Ende abtat: „Ich habe das auch in Hoffenheim gespielt. Aber wenn die Einstellung passt, ist das System nicht so wichtig.“

Auch der gegen Bayern besonders schwache Khalid Boulahrouz dürfte erleichtert sein. Der Niederländer lief wohl nur auf, weil es auf seiner Position auf der rechten Abwehrseite keine Alternative gab. Cacau und Julian Schieber ließ Labbadia dagegen zunächst draußen, gab ihnen mit Einwechslungen jedoch ein Zuckerle und lobte: „Es war keiner beleidigt. Als sie reingekommen sind, haben sie es gut gemacht.“

Überhaupt betätigt sich der Trainer weiter als Psychologe. Er weiß, wie fragil das VfB-Gebilde nach wie vor ist. Er hat gesehen, dass die Mannschaft auch gegen die wehrlosen Berliner viele Fehler im Spielaufbau machte. Er wiederholte auch diesmal seine Einschätzung, dass die Mannschaft insgesamt „noch nicht so weit ist, wie wir Mitte der Hinrunde dachten“. Der Kantersieg gegen die Hertha war nicht mehr als ein Schritt in die richtige Richtung. Am Ende eines intensiven Arbeitstages atmete Labbadia aber erst einmal tief durch: „Es war ja schon eine kritische Situation heute.“ Die Fans zogen derweil fröhlich singend nach Hause.

STATISTIK

VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz (83. Kuzmanovic), Tasci, Niedermeier, Sakai - Kvist, Gentner (66. Schieber) - Harnik (73. Cacau), Hajnal, Okazaki - Ibisevic.

Hertha BSC: Kraft - Morales (46. Janker), Hubnik, Mijatovic, Kobiaschwili - Ottl, Niemeyer - Ebert, Raffael, Bastians - Lasogga (69. Djuricin).

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach). Zuschauer: 45 000.

Tore: 1:0 Ibisevic (24.), 2:0 Harnik (28.), 3:0 Okazaki (32.), 4:0 Harnik (41.), 5:0 Harnik (58.).

Gelbe Karten: Tasci (3) / Morales (1).

Rote Karten: - / Ottl (30./grobes Foulspiel).

Beste Spieler: Harnik, Tasci, Ibisevic / -.

 

Artikel vom 13.02.2012 © Eßlinger Zeitung

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