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Höllental 21

Im Südschwarzwald soll die Bundesstraße 31 für vier Wochen gesperrt werden - Doch die Anwohner sind widerspenstig

  Steinschlag ist im Höllental an der Tagesordnung. Die geplante Felssicherung ist dennoch umstritten.Foto: dpa
 

Steinschlag ist im Höllental an der Tagesordnung. Die geplante Felssicherung ist dennoch umstritten. Foto: dpa

 

Von Catherine Simon

St. Märgen - Das Höllental bei Freiburg wird seinem Namen durchaus gerecht. Immer wieder regnet es dort Steine und große Felsbrocken. Eine 100 Meter hohe Felswand ragt fast senkrecht neben der Straße in den Himmel. Im vergangenen Sommer und zuletzt im Juli fielen Steine auf die Straße. Einmal wurde die Windschutzscheibe eines Autos durchschlagen - glücklicherweise wurde niemand schwer verletzt. Nun wird die Bundesstraße 31 durch das Tal vom 13. September an für vier Wochen gesperrt. Das Landratsamt plant großangelegte Fels­sicherungsmaßnahmen. Doch dagegen regt sich Widerstand: Immer mehr Bürger wollen die Sperrung nicht. Sie befürchten viel zu viel Verkehr auf den Umleitungsstrecken durch ihre Dörfer und haben Angst vor Unfällen mit Kindern.

Furcht vor Dauerlösung

„Das Landratsamt hat eine Verantwortung“, sagt Erich Krieger, der Sprecher der Bürgerinitiative in St. Märgen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. „Die haben nur ihre Lösung im Kopf und meinen deshalb, nicht mehr drum herum zu kommen“, kritisiert er. „Es wurde die leichteste und billigste Lösung gewählt, die aber keinem nutzt.“ Eine Sperrung des Tals ist seiner Ansicht nach viel zu kurzfristig gedacht. „Viel besser wäre ein dauerhafter Tunnel oder eine überdachte Durchfahrt“, sagt er. Die Bürger in St. Märgen und den anderen Orten an der Umleitungsstrecke wie Buchenbach, Breitnau und Glottertal fürchten, dass die Sperrungen zur Dauerlösung werden könnten.

Wenn man schon um eine Sperrung nicht herumkomme, müsse der Hochschwarzwald zumindest für den Fernlastverkehr gesperrt werden, fordert die Bürgerinitiative. „Unsere Ortsdurchfahrt wird zur Fernverbindung, dabei ist die völlig ungeeignet“, sagt Krieger. Ein Lastwagen komme nicht durch die engen Kurven, ohne auf die Bürger­steige ausweichen zu müssen. Krieger und seine rund 80 Mitstreiter haben daher auch Angst um die Schulkinder, die bald wieder unterwegs sind. Er kann nicht verstehen, dass die Sperrung in den September und Oktober gelegt wurde. Für die Hotels sei dies die Hauptferiensaison, und sie hätten empfindliche Verluste zu befürchten: „Ein Hotelier hat für diese Zeit schon 400 Stornierungen“, erzählt Krieger. „Das sind locker zwischen 25 000 und 30 000 Euro, die ihm verloren gehen.“ Er geht sogar noch weiter. Am Wochenende teilte er mit: Die Kosten, die durch die vierwöchige Sperrung entstünden, beliefen sich auf mehrere Millionen Euro.

Für das Landratsamt gibt es keine Alternative zu der Sperrung. „Es wurde alles geprüft, was machbar ist“, sagte Behördensprecher Matthias Fetterer. Die Kosten der Maßnahmen schätzt er auf rund 300 000 Euro. Eine Tunnelkonstruktion aus Stahl, wie sie etwa der SPD-Landtagsabgeordnete Walter Krögner vorgeschlagen hat, sei nicht machbar. Denn dieser könne das immense Gewicht nicht aushalten, wenn große Felsen aus 100 Metern in die Tiefe stürzen.

Aufschub gefordert

Die Bundesstraße wurde daher zum Schutz der Asphaltoberfläche vollständig mit einer rund 80 Zentimeter hohen Schotterschicht aufgeschüttet. Sie kann daher während der gesamten Bauzeit nicht befahren werden. „Wir nehmen die Bedenken ernst und haben deshalb auch versucht, verschiedene Landes- und Kreisstraßen als Umleitungsstrecken zu wählen“, sagte Fetterer. Beim Thema Verkehrsüberlastung in den kleinen Städten gab er jedoch zu bedenken: „Anderswo leben die Menschen Tag für Tag mit einer solchen Problematik - hier sind es einmalig vier Wochen.“ Er widersprach der Behauptung, dass es zur Dauerlösung werden könnte. „Es ist die erste Sperrung in den letzten 10 bis 15 Jahren und noch völlig unklar, ob etwas in dieser Größenordnung wieder nötig ist.“ Der Sprecher der Bürger­­initiative gibt sich damit nicht zufrieden: „Wir fordern einen Aufschub der Arbeiten, um nochmal grundsätzlich darüber nachdenken zu können“, sagte Krieger. Er kündigt an: „Wir lassen in unserem Protest nicht nach. Und das ganze Dorf macht mit.“

 

Artikel vom 07.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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