SPD will die Schule im Dorf lassen
Kritik an Umsetzung der Werkrealschule - Bildungsexperte warnt vor steigenden Beförderungskosten
Die schwarz-gelbe Koalition läute „das Ende der Schule im Dorf“ ein, beklagte Zeller. Der Sozialdemokrat befürchtet, die Werkrealschule führe vor allem im ländlichen Raum zu einer Verschlechterung der Schulversorgung. „Die Landesregierung räumt durch die Hintertür ein, dass sie auch bei den Werkrealschulen mit einem heftigen Konzentrationsprozess rechnet“, sagte Zeller. Er bezog sich dabei auf die Antwort von Kultusministerin Marion Schick (CDU) auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion vom Juli. Demnach wolle die Landesregierung insbesondere die Entfernungen und Fahrzeiten für die Schüler der Werkrealschule an denjenigen orientieren, die für die Schüler von Realschulen und Gymnasien üblich seien. Gegenüber der bisherigen wohnortnahen Hauptschule, die in vielen Fällen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sei, bedeute dies eine Verschlechterung.
Schick bekennt sich zur Hauptschule
Zeller bekräftige die Forderung der SPD nach Schulformen, die längeres gemeinsames Lernen über die Grundschule hinaus ermöglichen. Er forderte zudem mehr Entscheidungsspielräume für die Schulträger, welche Abschlüsse vor Ort angeboten werden sollen. Zeller rechnet damit, dass Eltern durch die Werkrealschule für die Schülerbeförderung vielerorts tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein Viertel der zum neuen Schuljahr genehmigten 525 Werkrealschulen seien auf mehrere Standorte verteilt. Allein der Landkreis Biberach rechne mit Mehrkosten von 400 000 Euro bei der Schülerbeförderung. 285 000 Euro davon müssten die Eltern tragen. Es sei „unverantwortlich, dass die Landeregierung den Schwarzen Peter unverblümt den Kommunen und Eltern zuschiebt“, kritisierte Zeller. Er forderte Schick auf, „endlich ihr Versprechen umzusetzen, ein Drittel der durch Schulschließungen eingesparten Mittel in die Schülerbeförderung zurückfließen zu lassen“.
Das Kultusministerium wies die Darstellung der SPD zurück. „Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung wird die Schullandschaft mit der Werkrealschule zukunftsweisend weiterentwickelt“, sagte Schick. Schulstandorte würden gesichert. Sie bekenne sich „im Gegensatz zur SPD“ zur Hauptschule. Deren Fortbestand im ländlichen Raum sei „ein vordringliches Anliegen“. Den Sozialdemokraten warf sie vor, „sich in ihrer Rolle als Miesmacher treu zu bleiben“.


