Auf Du und Du mit „Jurka“ im neuen Bärenpark
Die Mutter des erschossenen Bären Bruno hat im Schwarzwald eine neue Heimat gefunden - Hoffnung auf zusätzliche Touristen
Bad Rippoldsau-Schapbach - Mit Schwung springt Braunbärin Jurka auf den großen Stein in der Mitte des Geheges. Erst ein vorsichtiger Blick nach rechts, dann ein neugieriger nach links. Plötzlich erhebt sich die Bärendame und reckt ihre Schnauze mehr als zwei Meter in die Luft. „Jetzt erkundet sie ihre neue Umgebung“, sagt zufrieden der Geschäftsführer der Stiftung für Bären, Rüdiger Schmiedel. Erst vor wenigen Tagen hat er die 14 Jahre alte Bärin mit einem siebenköpfigen Team aus der italienischen Region Trentino geholt. Sie ist die erste Bewohnerin des neuen Wolf- und Bärenparks Bad Rippoldsau-Schapbach im Schwarzwald. Heute wird er eröffnet.
Sieben Hektar Waldfläche stehen der Bärin zunächst als Lebensraum zur Verfügung. Langfristig kann der Park auf bis zu 60 Hektar Größe wachsen. Fünf Jahre lang haben viele Freiwillige in der Schwarzwaldgemeinde für den Park gekämpft. Auch Bernhard Waidele, Bürgermeister des 2300 Einwohner zählenden Ortes, ist ein großer Befürworter des Projektes. „Ich verbringe gegenwärtig mehr Zeit auf dem hiesigen Areal als im Rathaus“, sagt der Rathauschef. Er ist überzeugt, dass es gut investierte Zeit ist. Der Park soll eine Bereicherung für den Ort sein und Touristen ins Wolftal locken. Mehr als 350 Helfer hätten an der Verwirklichung des Projektes mitgewirkt, kein Verein im Ort, der die Chance nicht erkannt habe. Die Kommune haftet 15 Jahre lang für die 450 000 Euro, die über das europäische Förderprogramm „Leader+“ in den Park geflossen sind. Das nötige zusätzliche Geld - 150 000 Euro - hat die Stiftung für Bären der Kommune zur Verfügung gestellt. Diese hat auch das Gelände von einem privaten Waldbesitzer erworben. Insgesamt sind bislang etwas weniger als eine Million investiert worden.
„Jurka wird uns vor eine große Herausforderung stellen“, sagt Geschäftsführer Schmiedel, der erstmals in einem Bärenpark eine „wilde Bärin“ ansiedelt. „Sie ist sehr clever, findet all unsere Schwachstellen.“ Daher hat er vor der Eröffnung angeordnet, noch einmal akribisch sämtliche Sicherheitsanlagen zu prüfen. Die Zäune und die elektrischen Sicherheitsdrähte werden dabei ebenso gecheckt wie der Untergrabschutz, der verhindern soll, dass sich Jurka unter dem Zaun hindurch einen Weg in die Freiheit sucht. 1,7 Kilometer Zaun und 26 Kilometer Draht sowie Tonnen von Beton wurden verbaut. Jeder Zaunpfosten sei 80 Zentimeter tief im Boden gesichert.
Die Bärendame, die längere Zeit in einer Auffangstation in Italien gelebt hatte und nicht zuletzt wegen ihrer drei Söhne Bruno, JJ1 und J2 traurige Berühmtheit erlangte, stammt ursprünglich aus Slowenien. Ihre Jungs waren getötet worden, da sie die Nähe von Siedlungen nach Nahrung gesucht und die Scheu vor den Menschen verloren hatten.
Mitbewohner früher im Zirkus
Die inzwischen sterilisierte Lady Petz soll nicht lange alleine im Park bleiben. Bis zum Ende des Jahres sollen drei weitere Bären im Gehege untergebracht werden. Im Gegensatz zu Jurka, „die in der Freiheit aufgewachsen ist und ihren Wildinstinkt noch in vollem Umfang besitzt“, wie Schmiedel sagt, waren die drei kastrierten Bären früher in einem Zirkus. Zuletzt hätten sie ein wenig erfreuliches und keineswegs artgerechtes Leben gefristet. „Es wird spannend, wie sich diese drei Bären mit Jurka arrangieren“, sagt Schmiedel.
Wann die Wölfe, die ebenfalls im Park unterkommen sollen, ihr neues Territorium in Besitz nehmen, vermag er noch nicht zu sagen. „Erst muss sich Jurka einleben“. Nach den ersten Tagen auf Du und Du mit der Bärendame ist er sich aber sicher: „Sehr lange wird diese Eingewöhnungsphase nicht dauern.“
Dass Jurka sterilisiert und ihre drei künftigen Mitbewohner kastriert sind, ist für den Tierschützer wichtig. „Wir lehnen die Zucht ab, wollen den Tieren aber in natürlicher Umgebung ein würdiges Leben ermöglichen“, sagt er. Dass dies möglich ist, hat er bereits in Thüringen mit dem Bärenpark Worbis bewiesen. Hier leben gegenwärtig elf Bären und locken jährlich bis zu 80 000 Besucher an.
Auch in Bad Rippoldsau-Schapbach erwartet Schmiedel künftig zahlreiche Besucher, die zunächst von einem dreiköpfigen Team betreut werden. Die ausgebildeten Tierpfleger und Pädagogen werden sich aber nicht nur um die neuen Einwohner der Schwarzwaldkommune kümmern, sondern auch eine ganze Reihe von Angeboten für die Besucher machen. „Wir wollen ja erreichen, dass die Menschen die Angst vor den Wildtieren verlieren und Verständnis für deren Lebensräume entwickeln“, sagt Schmiedel.


