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Der Esoteriker und seine Künstler-Fans

Ausstellung in Wolfsburg zu Rudolf Steiners Einfluss auf die Kunst - Im Frühjahr 2011 in Stuttgart

  Rudolf Steiner betrachtet Kunst.Foto: Kunstmuseum Wolfsburg
 

Rudolf Steiner betrachtet Kunst. Foto: Kunstmuseum Wolfsburg

 

Von Anita Pöhlig

Wolfsburg - Rudolf Steiner (1861-1925) ist vor allem als Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Pädagogik bekannt. Das Kunstmuseum Wolfsburg lässt seine Besucher derzeit jedoch noch einen anderen Aspekt des umtriebigen und umstrittenen Esoterikers und Reformers entdecken: den Ideengeber für Architektur, Malerei, Kosmetik, Design, Tanz, Landwirtschaft und Gesellschaft. „Es gibt eine Ideengeschichte, Steiner hat da eingezahlt, und viele Künstler haben sich etwas davon genommen“, sagt Museumsdirektor Markus Brüderlin.

Die Schau, die im kommenden Frühjahr ins Stuttgarter Kunstmuseum wechselt, ist laut den Kuratoren die weltweit erste Retrospektive zum Werk Steiners. Beteiligt ist neben den Kunstmuseen Wolfsburg und Stuttgart auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Die zweiteilige Ausstellung will den Einfluss Steiners auf Kunst und Gesellschaft zeigen. Neue Arbeiten oder Werke der vergangenen Jahrzehnte von namhaften Künstlern wie Joseph Beuys, Helmut Federle, Katharina Grosse, Tony Cragg oder Olafur Eliasson sollen in dem Teil „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ mit seinen Ideen in einen „sinnlichen Dialog“ treten. Dabei geht es meist um den Zusammenhang zwischen geistiger und materieller Welt. Alle 15 ausgestellten Künstler sind laut Brüderlin keine Anthroposophen. „Wir meinen, wenn Steiner noch leben würde, würde er sich genau für diese Künstler interessieren“, erläutert der Museumsdirektor die Auswahl.

Da ist etwa der 1925 in Bombay geborene und in London lebende Anish Kapoor. Vor allem seine indische Herkunft hat ihn motiviert, sich mit spirituellen Themen zu beschäftigen. Kapoor hat aus Edelstahl einen Spiegel entworfen, drei Meter im Durchmesser und vielfach gebrochen. Zuerst sieht sich der Besucher wie durch ein Kaleidoskop hundertfach, direkt vor dem Kunstwerk ist man dann wieder nur einmal zu ­sehen.

Zwischen den zeitgenössischen Kunstwerken hängen 40 Tafeln mit Zeichnungen aus der Hand Rudolf Steiners. „Er hat mehr als 5000 Vorträge gehalten, dabei sind die wiederverwertbaren Tafeln entstanden, insgesamt 1300“, erzählt Brüderlin. Mehr über die vielfältigen Aktivitäten Steiners ist im Obergeschoss des Wolfsburger Museums im Ausstellungsteil „Die Alchemie des Alltags“ zu erfahren. In der Übergangszeit vom Jugendstil zur Moderne entwarf der Allround-Visionär Stühle, die mal organisch, mal kubistisch anmuten, entwickelte seine Eurythmie, einen Tanz- und Bewegungsstil, schrieb unzählige Bücher und machte sich Gedanken über alternative Landwirtschaft und Pädagogik. Schon zu Lebzeiten hatte Steiner eine große Anhängerschaft. Ob Franz Kafka, Piet Mondrian oder Else Lasker-Schüler - Maler wie Schriftsteller ließen sich zumindest zeitweilig von der Anthroposophie inspirieren, auch wenn sie nicht zu Steiner-Propheten wurden. Umstritten ist der Esoteriker, weil er seine neo­gnostische Lehre mit wissenschaftlichem Anspruch verbrämte, aber auch wegen antisemitischer und rassistischer Äußerungen in seinen Schriften.

„Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ ist bis 3. Oktober, „Die Alchemie des Alltags“ bis 21. November im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen. Unter dem Titel „Kosmos Rudolf Steiner“ werden die Ausstellungen vom 5. Februar bis zum 22. Mai 2011 im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt. Der Katalog zu „Die Alchemie des Alltags“ kostet 78,90 Euro (Eigenverlag des Vitra-Museums), der Katalog zu „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ 38 Euro (DuMont-Verlag).www.kunstmuseum-wolfsburg.de

 

Artikel vom 03.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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