Schicks „Bildungshäppchen“ schmecken der GEW nicht
Lehrergewerkschaft fordert Gesamtkonzept für die Schulen - Große Skepsis gegen Werkrealschule
Defizite kritisiert die GEW generell in der Unterrichtsversorgung. An den beruflichen Gymnasien fehlten Plätze. Gravierender Mangel herrsche im Ergänzungsbereich an den Schulen: An den Gymnasien gebe es mit 0,036 Stunden pro Schüler im Vergleich zu den Grund- und Hauptschulen das Doppelte an Stunden für Arbeitsgemeinschaften einschließlich des Schulchors und Schulorchesters. Für Realschulen (0,017 Stunden) mit ihren großen Klassen dagegen gebe es noch weniger Angebote als in den Grundschulen mit 0,019 Stunden. Dies sei zwar nicht neu, die Wirkung aber gravierend. Einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit sieht Moritz darin, in der Grundschulzeit mit ergänzenden sportlichen, musischen und künstlerischen Angebote die Persönlichkeit zu stärken. Für Kinder aus bildungsfernen Familien eröffne die Schule in der Regel den einzigen Zugang zu kulturellen Themen.
Die neuen Konzepte für die frühkindliche Bildung sind für die GEW-Chefin ein Paradebeispiel für verfehlte Förderung. Das Programm „Singen-Bewegen-Sprechen“, das im Oktober in den Kindergärten beginnen wird, sei ein „Bildungshäppchen“, das an Strukturen nichts ändert. Forschungen belegten, dass Kinder unter sechs Jahren mehr indirekt als in spezifischen „Lerneinheiten“ lernten. Deshalb seien in der frühkindlichen Bildung spezielle „Häppchen“ ineffektiv.
Kritik an Finanzminister Stächele
Massive Kritik übte Moritz am Vorstoß von Finanzminister Willi Stächele (CDU), der sich dafür ausgesprochen hatte, drei bewegliche Ferientage der Schulen zu streichen und Arbeitszeitkonten für Lehrer anzulegen. Moritz verteidigte die beweglichen Ferientage. Es gehe nicht um ein Privileg, sondern um Kompensation für die einstige Senkung der Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst von 42 auf 40 Stunden. Inzwischen wurde die Arbeitszeit wieder auf 41 Stunden hochgefahren. Die beweglichen Ferientage sei zwar geblieben, die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer an Gymnasien und beruflichen Schule aber gestiegen. Lehrer anderer Schularten müssten Tätigkeiten wahrnehmen, für die es keine Anrechnungsstunden mehr gebe.
„Nicht erst vor der Landtagswahl“ erwartet die GEW ein Bekenntnis der Regierung zu mehr Krankheitsvertretungen. Moritz nannte es „nicht akzeptabel“ dass auch über längere Zeit erkrankte Lehrkräfte oder Lehrerinnen, die in Mutterschutz gehen, nicht von vornherein ersetzt werden. Die Vertretungsreserve von 1266 Stellen entspreche einem Prozent des Personalbestands. Die Reserve müsse aber mindestens fünf Prozent betragen, forderte Moritz. Sie bekräftigte die Vorbehalte der GEW gegenüber der neuen Werkrealschule (WRS). In städtischen Gebieten sei „mit einem klaren Trend“ weg von wohnortnahen kleinen Hauptschulen hin zu den WRS zu rechnen. „Unprofessionell“ sei auch, dass die Fortbildung der Lehrkräfte für die neuen anspruchsvollen Wahlpflichtfächer an den WRS erst jetzt und damit parallel zum Unterricht beginne.
Opposition unterstützt Vorstoß
Ministerin Schick wies die Vorwürfe zurück: Pflichtunterricht wie Ergänzungen seien nach wie vor gesichert. Die Opposition unterstützt die Kritik. Die SPD warf Schick vor, sie konzentriere sich auf Kommunikationsfragen. SPD-Bildungsexperte Norbert Zeller meinte, die Regierung packe die großen Probleme nicht ansatzweise an. CDU und FDP wollten sich dafür feiern lassen, die Situation an Grundschulen zu verbessern. Die Senkung des Klassenteilers und die Einstellung Pädagogischer Assistenten komme aber nur wenigen Grundschulen zugute. Grünen-Schulexpertin Renate Rastätter meinte, allein die Absenkung des Klassenteilers löse die Probleme nicht. Auch die Grünen befürchten Verschlechterungen im Ergänzungsbereich. Bei längerem Unterrichtsausfall müsse die Vertretungsreserve schrittweise erhöht werden. Die Mindestquote von 1,5 Prozent reiche nicht, wenn mehr junge Lehrkräfte in Elternzeit gehen.


