Sommerlügen
Bernhard Schlink hat in seinem neuen Buch Augenblicke flüchtigen Glücks gesammelt
Ein Sommer kann das Glück bringen, doch schon im Herbst kann es sich als Illusion erweisen. Erfolgsautor Bernhard Schlink hat in seinem neuen Buch solche flüchtigen Augenblicke des Glücks gesammelt - „Sommerlügen“ allesamt.Das Glück ist schwer definierbar. Es ist flüchtig wie der Augenblick und manchmal, wenn überhaupt, erst im Nachhinein erkennbar. In sieben Erzählungen setzt sich Bernhard Schlink („Der Vorleser“) damit auseinander. Und wie der Titel seines neuen Buches „Sommerlügen“ bereits verrät, ist Glück oft auch Illusion. Es geht um Menschen, die sich etwas vorgemacht haben oder es immer noch tun. Männer und Frauen, die sich selbst in die Tasche lügen und sich dessen mitunter sogar bewusst werden. Es sind bewegende Geschichten und manche sind so realitätsnah, dass man meint, sie selbst erleben zu können. Schlinks Schicksale handeln etwa von einem einsamen Mann, der im Urlaub seine große Liebe trifft, mit ihr gemeinsame Zukunftspläne schmiedet und dann zu Hause von der Erkenntnis überrascht wird, dass er an seinem Leben eigentlich nichts ändern will. Oder von einem krebskranken Mann, der im Kreise seiner Familie seinem Leben ein Ende setzen will, wenn er die Schmerzen nicht mehr aushalten kann - ohne allerdings seine Frau oder seine Kinder in sein Vorhaben einzuweihen.Eine andere Geschichte erzählt von einem Schriftsteller-Ehepaar, das sich in ein einsames Haus im Wald zurückzieht. Sie findet die Ruhe, um Bücher zu verfassen, er das Glück als Hausmann und Vater. Doch als der Erfolg seiner Frau die trügerische Idylle zu (zer)stören droht, geraten seine Bemühungen, alles so zu belassen wie es ist, zur Besessenheit. Für einen anderen Mann ist ein Film die Initialzündung, endlich die Liebe zu seinem Vater zu finden, die dieser ihm sein Leben lang versagt hat. Eine gemeinsame Reise bringt nicht den gewünschten Erfolg, nur eine bittere Erkenntnis.Anrührend ist Schlink die Episode gelungen, in der eine alte Frau plötzlich feststellt, dass sie ihre Kinder nicht mehr liebt. Sie erkennt, dass die wohlgeordnete Welt, die sie um sich und ihre Familie aufgebaut hat, jenseits des Glücks liegt, das sie sich einmal erträumt hat. Es geht also nicht nur um die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Eltern und Kindern. Diese Geschichten sind am überzeugendsten.



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