„Ich schreibe dir morgen wieder“
Einige Fans bekommen bei jedem ihrer Bücher einen Kloß im Hals, andere eher Bauchgrimmen. Jetzt hat Cecilia Ahern, die Bestsellerautorin und Tochter des früheren irischen Ministerpräsidenten Bertie Ahern, ein neues Liebesmärchen geschrieben. Wenn sie von gewissen Medien als „Kitschprinzessin“ tituliert wird, ficht das Cecila Ahern aus Dublin nicht an: „Ich bin keine Literatin. Eher eine Freundin“, sagte sie einmal. „Meine Geschichten sind für Herzen, nicht für Köpfe.“ Angesichts des Welterfolgs ihres Liebesromans („P.S. Ich liebe dich“) kann die 1981 geborene Journalistin entspannt den Erfolg ihres neuen Werks „Ich schreibe dir morgen wieder“ abwarten. Denn der wird kommen.
Landleben statt Luxusvilla
Auch dieses Buch ist kein tiefgründig geschriebenes Werk, es hat aber alles, was sich Liebhaber von Unterhaltungsromanen wünschen: eine warmherzige Sprache, fantastische Einfälle und natürlich viel Liebe, die mit einem Happy End gekrönt wird. Hauptperson ist die 17-jährige Tamara, verwöhnt und eigentlich ein Ekel, die durch ein ungewöhnliches Tagebuch zu einer verantwortungsvollen jungen Frau reift. Die Geschichte beginnt traurig. Der reiche Bauunternehmer Goodwin ist bankrott. Als er tot in seinem Büro gefunden wird, müssen Frau und Tochter Villa und Luxus verlassen und bei Verwandten an einem trostlosen Ort auf dem Land Unterschlupf suchen. Nicht leicht für Tamara, die von ihrem Dad gehätschelt wurde. Der armselige Landflecken hat zwar etwas, das ihr Interesse weckt: die ausgebrannte Ruine eines alten Schlosses. Doch mit Tante Rosaleen kommt Tamara überhaupt nicht aus. Und Rosaleens Mann Arthur, der Bruder von Tamaras Mutter, redet nur wenig und ist ihr keine Hilfe.
Abwechslung bietet der öffentliche Bücherbus, den der sympathische Marcus steuert. Im Bus findet Tamara ein Buch, das mit einer Schnalle verschlossen ist, aber offenbar nur leere Blätter enthält. Als sie es als Tagebuch nutzen will, stellen sich ihre Nackenhaare auf: Da gibt es schon einen Tagebucheintrag - in ihrer eigenen Handschrift, datiert vom nächsten Tag. Als sie Marcus ihr Geheimnis verrät, hält der sie zunächst für verrückt. Doch für Tamara wird das Tagebuch zum Leitfaden in eine völlig neue Welt.
Cecilia Ahern nutzt die Passagen mit dem Inhalt des Tagebuches, um die Geschichte des Schlosses und seine Verbindung mit Tamaras Familie zu enthüllen. Auch dem Mädchen selbst erschließen sich durch die Eintragungen die verschwiegenen Geheimnisse ihrer Familie. Ahern rührt einmal mehr an die Sehnsucht der Menschen, in einer immer zynischeren Welt eine Oase der Zuneigung und Herzlichkeit zu finden - und wenn es nur für ein paar Stunden in einem Buch ist. „Wo Dunkelheit herrscht, kann auch Licht scheinen, wo Trauer ist, kann das Glück zurückkehren, wo nichts als Verzweiflung bleibt, kann Hoffnung entstehen“, verkündet sie in Interviews - ohne Angst, dass ihre Kritiker solche Äußerungen als Plattitüden geißeln könnten.



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