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Dönhoffs „Tänzer“ hat Stil und Charme

Von Frauke Kaberka

Schlechte Vorzeichen für das Erfolgsmusical „Tainted Love“ in Hamburg: Zwei Menschen werden im Theater ermordet. Für den jungen Kommissar Sebastian Fink eine neue Bewährungsprobe. Es geht um den guten Ruf der Stadt als Musicalmetropole.Wahnvorstellung oder schaurige Realität? Als die Hamburger Polizei im Musical-Theater in St. Pauli eintrifft, ist die angeblich in der Kuppel hängende Leiche spurlos verschwunden. Für die Ensemblemitglieder ist klar: Es hat sich wieder einmal um ein Hirngespinst der verwirrten Physiotherapeutin gehandelt. Kommissar Sebastian Fink hingegen ist sich da nicht so sicher. Dann wird auch noch ein Tänzer ermordet, und wenig später gibt's im Theater noch eine Leiche. So steht das Erfolgsmusical „Tainted Love“ („Verdorbene Liebe“) unter keinem guten Stern und Fink unter enor­mem Aufklärungsdruck - es geht um den guten Ruf der Stadt.

Motive gesucht

Autor Friedrich Dönhoff („Savoy Blues“) schickt seinen jungen Polizisten zum zweiten Mal in die Spur. „Der englische Tänzer“, so der Titel des neuen Romans, führt Fink in die Glitzerwelt des Showbiz und auf scheinbar undurchdringliche Pfade der Animositäten zwischen den Darstellern auf der Bühne und den Strippenziehern hinter den Kulissen. Der Kommissar dringt in Privatsphären ein und erkundet Schicksale, die ihn berühren. Doch über dem Verständnis steht die Frage: Was sind die Motive für die Morde? Geld, Neid, Missgunst, Eifersucht - alles kommt infrage. Die Recherchen gestalten sich freilich mühselig. Jede Spur, die Fink und sein Team verfolgen, scheint im Nichts zu enden. Seine Chefin macht ihm zusätzlich Druck. Ihr sitzt der Senat im Nacken. Und auch zu Hause, in Finks seltsamer Familien-WG mit Anna und Leo, stimmt nicht alles. Der Kommissar wäre am Verzweifeln, würde er sich nicht auf den Leitspruch eines älteren Kollegen besinnen: Wer den längeren Atem hat, kommt ins Ziel. Mit Ausdauer, Verstand und Intuition löst er schließlich den Fall, den Dönhoff logisch konstruiert und spannend aufgebaut hat. Was besonders an seiner Romanfigur gefällt: Sie ist modern, schnörkellos und angenehm normal. Das trifft gleichermaßen auf den Stil des Autors zu. Der Hamburger, ein Großneffe der Publizistin Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002), versprüht in „Der englische Tänzer“ nicht nur viel 1980er-Jahre-Flair mit entsprechender Musik, er gibt sich zudem als unterhaltsamer Stadtführer und wirbt so auch für die Hansestadt als bedeutende Musicalmetropole. Und mit Fink hat er eine neue Identifikationsfigur geschaffen: sympathisch und klug.

Friedrich Dönhoff: Der englische Tänzer, Diogenes Verlag Zürich, 293 Seiten, 9,90 Euro.

 

Artikel vom 31.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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