Paukenschlag zum Schluss
Paul Austers neuer Roman „Unsichtbar“ führt in ein Labyrinth der Ungewissheiten
„Unsichtbar“ nennt Paul Auster seinen neuen Roman. Aber eigentlich geht es dem amerikanischen Autor um Ungewissheit, eines seiner immer wiederkehrenden Lieblingsthemen. Gleich auf der ersten Seite fallen die entsprechenden Schlüsselworte: „Halluzinationen und Höllenqualen“. Das spielt zwar auf das „Inferno“ aus Dantes „Göttlicher Komödie“ an, ist aber ebenso das Leitmotiv der verschachtelten Erzählstränge, die Auster erst ganz am Ende grandios und mit dem üblichen Knalleffekt verknüpft.
Chance des Lebens
Adam Walker, ein junger Student und angehender Dichter in New York, bekommt die Chance seines Lebens. Er soll eine literarische Zeitung aufbauen. Die finanziellen Mittel für das Projekt verspricht ihm ein Professor seiner Universität, Rudolf Born. Doch meint er es ernst? Und was steckt dahinter? Etwa die Geliebte des Professors, die scharf ist auf Adam?
Fast perfekter Deal
Der Deal ist fast perfekt, als Adam seinen Gönner eines Nachts durch Manhattan begleitet. Die beiden Männer werden von einem Teenager überrumpelt, der ihr Geld fordert. Doch statt seine Brieftasche zu ziehen, greift der Professor zum Messer und sticht den Jungen nieder. Adam läuft, um Hilfe zu rufen. Aber kaum ist er wieder zurückgekehrt, ist das Opfer verschwunden. War alles nur Halluzination oder ein reales Tötungsdelikt? In der Zeitung liest Adam vom Tod des jungen Mannes. Doch Born lehnt jede Verantwortung ab. Adam beginnt, an sich zu zweifeln, quält sich mit Selbstvorwürfen und beschließt endlich, den Professor zu überführen. Doch der flieht nach Paris, Adam ihm hinterher. Auch dort scheitert sein Versuch, Born zur Verantwortung zu ziehen.
Was ist Wahrheit?
Jahrzehnte später, alt, vergrämt und am Sterben, vertraut Adam die Geschichte einem früheren Studienfreund an. Noch bevor er seine Memoiren beenden kann, siegt der Krebs. Derweil lässt der Professor, einsam und gelangweilt auf einer Insel, die Katze aus dem Sack und enthüllt seine Identität. Ist es Wahrheit? Oder auch wieder nur Halluzination? Mit spielerischer Leichtigkeit führt Auster durch sein Erzähllabyrinth und lässt nicht einen Moment Langeweile aufkommen.
Glasklare Sprache
Seine Sprache ist glasklar und elegant, und der Paukenschlag zum Schluss könnte gar nicht überraschender ausfallen. „Wer die letzte Seite von Paul Austers ,Unsichtbar‘ gelesen hat, möchte auf der Stelle wieder von vorn anfangen“, schrieb die „New York Times“ über den Roman. Und hat vollkommen recht.



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