Die Frau hinter Hitler
Heike B. Görtemakers Biographie über Eva Braun
Was wusste man über Eva Braun, bevor die beachtenswerte Biographie von Heike B. Görtemaker erschien? Braun führte eine 14 Jahre währende Beziehung mit Adolf Hitler, den sie in dem Fotoatelier des Hitler-Freundes Heinrich Hoffmann kennengelernt hatte. Die Beziehung war nicht öffentlich. Hitler glaubte, nicht verheiratet sein zu können, da jeder in Deutschland davon ausgehen sollte, dass der „Führer“ seine ganze Energie der Nazi-Bewegung widmete. Hitler und Braun heirateten daher erst Ende April 1945 im bereits von russischen Truppen eingeschlossenen Führerbunker in Berlin und begingen unmittelbar danach gemeinsam Selbstmord.
Fragwürdige Zeitzeugen
Dies war in etwa die bekannte Faktenlage, als sich die Berliner Historikerin Görtemaker auf die schwierige Suche nach Quellen zu Eva Braun machte. Ein besonderes Problem waren dabei die Zeitzeugen. Unter ihnen sticht beispielsweise der Hitler-Baumeister Albert Speer hervor, der in ausführlichen Erinnerungen die Begegnungen im engsten Hitler-Freundeskreis auf dem Berghof bei Berchtesgaden schildert. Allein - das beständige Ziel seiner Erinnerungen ist durchschaubar: Stets geht es Speer darum, seine eigene Beteiligung und Begeisterung für Hitler und die Nazis kleinzureden. Besonders Tote, die sich nicht mehr wehren können, dienen da zur Illustration der eigenen Unschuld. So erfuhr es Görtemaker quer durch die stets subjektiv gefärbte Erinnerungsliteratur. Nie weiß man, ob dies wirklich Eva Braun war, an die sich die Zeitzeugen erinnern, oder die Rolle, welche sie Braun zuschreiben, um sich selbst zu exkulpieren.
Hinter dem Nebel persönlicher Erinnerungen dringt immerhin durch, dass Eva Braun eine durchschnittlich begabte junge Frau aus einem konventionellen, kleinbürgerlichen Elternhaus war. Es fehlte ihr offenbar an jeglicher Anteilnahme für das politische Zeitgeschehen, wobei auch hier kritisch vermerkt werden muss, dass dies Hitler von Personen aus seiner unmittelbaren familiären Umgebung geradezu fanatisch verlangte. Ob Eva Braun einfach in vorauseilendem Gehorsam Hitler folgte, wird man nie erfahren. Sie war zum Beispiel nie weltgewandt und schillernd wie etwa Magda Goebbels.
Spießige Lebensform
Görtemaker ist es zu verdanken, dass sie mit ihrer Biographie Brauns wenigstens ansatzweise Einblicke in Hitlers Alltag bietet. Denn eines der schlimmsten Monster der Weltgeschichte lebte - wie Stalin oder Mao - in einer zutiefst spießigen Lebensform. Dem Fazit der Historikerin im Hinblick auf Braun kann man nur zustimmen: „Doch gerade das vermeintlich Gewöhnliche, Durchschnittliche ihrer Existenz fordert zu einer Rekonstruktion ihrer Geschichte heraus, da ihre ‚Normalität‘ in der sie umgebenden Atmosphäre des Bösen wie ein Anachronismus wirkt, der auch das ‚Böse‘ in anderem Licht erscheinen läßt.“
Heike B. Görtemaker: Eva Braun. Leben mit Hitler. C.H. Beck Verlag, München. 366 Seiten, 24,90 Euro.



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