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Boulevard-Bios

„Marilyn & Co“: Truman Capote protokolliert Begegnungen mit allerlei Berühmtheiten

Von Teresa Bast

Das ist kein Porträt von einer Lady. Mit schwarzem Chiffontuch überm Haaransatz, der dringend nachblondiert werden müsste, und nach durchzechter Nacht verquollenen Augen hinter dunklen Eulengläsern stolpert sie an der Presse vorbei. Ein Schaulaufen von Prominenz aus Theater, Film und Literatur ist die Versammlung in der Trauerkapelle, wo man einer verstorbenen Schauspielerin gedenkt. Marilyn aber will unerkannt bleiben, um lieber im Anschluss an die Beerdigung bei „einem Fläschchen Puffbrause“ auf den angeblich „größten Pimmel Hollywoods“ und anderen mehr oder weniger Anstoß erregenden Klatsch anzustoßen. In Truman Capote hatte die Monroe ein Lästermaul gefunden, das es ebenso wie sie nach Champagner und Tratsch dürstete. Die Berichte seiner Begegnungen mit Berühmtheiten, die sich dem 1924 geborenen Schriftsteller anvertrauten, sind in einem Bändchen unter dem Titel „Marilyn & Co“ erschienen. Demnach saß Capote an Elizabeth Taylors Krankenbett, süffelte und sinnierte mit der Leinwandkönigin darüber, warum Schampus Mundgeruch macht, während die Regenbogenpresse in gro­ßen Lettern mit einer Story über ihren kritischen Gesundheitszustand aufmachte. Mit deutlich mehr Distanz schreibt Capote über den stets pünktlichen Humphrey Bogart, der begriffen habe, „dass seine Kunst zum größten Teil auf Disziplin beruhte“, und beschreibt Coco Chanel als „apart heruntergehungerten Spatz unter den Modemachern“. Da heutzutage der bunte Blätterwald umfassend von rauschenden Galas berichtet, wirken diese Boulevard-Bios nicht mehr wirklich aufregend insiderhaft. Einst soll sich allerdings der junge Marlon Brando, dessen Starallüren der mit Abstand längste Text gewidmet ist, schwer ereifert haben. An Gentlemen’s Agreements des Schweigens hielt sich der selbst ruhm- und alkoholsüchtige Journalist Capote nicht. Er nahm kein Blatt vor den Mund und alles zu Protokoll. Auf dem Umschlag des Bandes ist nur das hübsche Köpfchen der Monroe als Bildausschnitt zu sehen. Vollständig würde das Foto auch Capote neben ihr zeigen. Dick bebrillt, schwitzend und ungelenk klammert er sich an ihren Arm. Truman Capote: Marilyn & Co. Verlag Kein und Aber, Zürich. 176 Seiten, 14 Euro.

 

Artikel vom 01.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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