Buch über Fall Metzler gestoppt
Polizei fürchtet Verrat von Dienstgeheimnissen, Verlag will Klärung von Foltervorwürfen abwarten
Frankfurt (dpa) - Acht Jahre nach der Entführung und Ermordung des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler ist ein Buchprojekt eines der beteiligten Polizisten vorerst gestoppt worden. Der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel gab keine Freigabe dafür, und der Verlag will die juristische Klärung von Foltervorwürfen abwarten.
Im Oktober sollte im Heyne Verlag das Buch über die Ermittlungen erscheinen. Titel: „Um Leben und Tod - Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten?“ Verfasser ist der Polizeikommissar Ortwin Ennigkeit, der dem Entführer und Mörder Magnus Gäfgen Schmerzen angedroht hatte, falls dieser nicht das Versteck des Jungen verrate. Die Polizei glaubte den Elfjährigen noch am Leben, dabei war er längst tot. Ennigkeit hatte auf Weisung des damaligen Frankfurter Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner gehandelt. Beide wurden wegen Nötigung verurteilt und bekamen Geldstrafen angedroht.
„Das Buch wurde von dem Kollegen vorgelegt, und unser Präsident hat im Rahmen seiner Fürsorgepflicht die Empfehlung herausgegeben, bestimmte Passagen nicht zu veröffentlichen, weil sie polizeiliche Interna enthalten“, sagte der Frankfurter Polizeisprecher Jürgen Linker. Bei Verrat von Dienstgeheimnissen drohen Polizeibeamten Disziplinarmaßnahmen oder sogar strafrechtliche Konsequenzen.
Der Münchner Heyne Verlag verweist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Der 35 Jahre alte ehemalige Jurastudent Gäfgen, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, hatte dort im Juni einen Teilerfolg bei seiner Folterklage erzielt. Zwar wurde seine Hoffnung auf ein neues Verfahren ein für alle Mal zerschlagen, aber er darf sich weiter Folteropfer nennen und das Land Hessen auf Schmerzensgeld verklagen. Bis zur Klärung der entsprechenden juristischen Fragen will Heyne auf eine Veröffentlichung verzichten, erklärte eine Sprecherin des Verlags.



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