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Kunst gucken im Netz

Immer mehr virtuelle Museen - Bei der Präsentation hapert es oft

Von Julia Kilian

Mainz/Bremen - Mit einem Mausklick in Beethovens Geburtshaus blicken oder einen Picasso bewundern: Das machen virtuelle Museen im Internet möglich. Nach den Anfängen vor rund zehn Jahren habe sich die Technik inzwischen stark weiterentwickelt, berichtet der Kommunikationswissenschaftler Thomas Roessing von der Universität Mainz. Grafiker können heute ganze Museumswelten im World Wide Web entstehen lassen. Doch die aufwendige Computertechnik ist teuer. So steigt zwar insgesamt die Zahl der virtuellen Museen, bei der Präsentation hapert es jedoch oft wegen Geldmangels.

Aufwendige Cyber-Museen gehen ins Geld. Spezialeffekte wie 3D-Bilder oder Animationen bleiben deshalb meist Ausnahmen, wie Entwicklerin Clarissa Haenn berichtet. Sie hat im Auftrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung ein virtuelles Museum zum Thema Migration geschaffen. Rund 40 000 Euro kostet es das Land jedes Jahr. Fortwährend wird es mit Texten, Videos, Hörstücken oder ganzen Sonderausstellungen ergänzt, bleibt aber - bis auf ein aus Knetmasse entstandenes 3D-Gebäude - zweidimensional. Ein reales Museum wäre freilich wesentlich teurer geworden und damit zu kostspielig, wie eine Sprecherin des Arbeitsministeriums in Mainz erklärt.

Als die Bremer Kunsthalle Ende 2008 zur Sanierung geschlossen wurde, wanderte die Ausstellung kurzerhand ins Netz. Gezielt kann der Betrachter Kunstwerke anklicken, Videos abspielen oder Informationen für Kinder anhören. Das hat sich die Kunsthalle nach eigenen Angaben einige zehntausend Euro kosten lassen. „Auch ein Bild mit einer Erklärung ist etwas Sinnvolles“, meint Wissenschaftler Roessing. „Aber das schöpft die Leistungsfähigkeit der Technik, die wir heute zur Verfügung haben, einfach nicht aus.“ Online-Museen benötigten Interaktivität, sagt Roessing.

Die Techniken entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit weiter, Animationen sehen schnell alt aus. Das musste auch „LeMO“ erfahren, das „Lebendige virtuelle Museum Online“. Das Geschichtsprojekt, an dem auch das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin beteiligt ist, ging bereits 1998 ins Netz. Damals lockten noch 3D-Erlebnistouren. Heute sind diese Welten abgestellt. „Für die Jugendlichen, die wir ansprechen wollten, war das gnadenlos veraltet“, sagt Dorlis Blume vom DHM. Stattdessen hat sich „LeMO“ auf Text, Bilder und Audiodateien konzentriert. Bis zu 800 000 Mal wird das Portal im Monat besucht. Die rund 4000 programmierten Internetseiten spiegeln 150 Jahre Geschichte wider. „Im Internet kann man vieles vertiefen, was in der realen Ausstellung nicht geht“, sagt Blume.

Virtuelle Museen als Gegengewicht zur freien Informationsflut im Internet: Darin sieht auch Wissenschaftler Roessing eine Chance, wenngleich „www-Ausstellungen“ echte Museen nicht ersetzen könnten. „Man muss nicht wie früher in die Universitätsbibliothek gehen, sich Bücher ausleihen oder teure Bildbände und Museumskataloge kaufen“, sagt Roessing. „Man kann sich schnell im Internet einen Überblick verschaffen und seinen Wissenshorizont viel leichter als früher erweitern.“

 

Artikel vom 31.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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