„Hier habe ich fast meinen Enthusiasmus verloren“
Ende einer Nicht-Ära: Ernüchternde Bilanz der Flimm-Intendanz bei den Salzburger Festspielen
Wien/Salzburg - So einen Abschied wünscht sich niemand. „Eine Ära, die keine war“, ein „Äralein“ und „endlich“ heißt es in den österreichischen Zeitungen zum Ende der Intendanz von Jürgen Flimm bei den Salzburger Festspielen. Die vier Jahre unter der Leitung des renommierten deutschen Theatermachers, der ab kommender Spielzeit die Berliner Oper Unter den Linden leitet, boten höchstens sauberes Handwerk, aber kaum Erinnerungswürdiges, so das Fazit. Verglichen mit seinen Vorgängern falle der Deutsche stark ab, heißt es im „Kurier“: „Flimms Zeit in Salzburg war höchstens ein Äralein, ein Durchgangsstadium, ein Moment des Innehaltens, ehe es wieder markanter weitergehen kann.“ Flimm habe Programme arrangiert, statt sie zu gestalten, befindet der „Standard“.
Der Gescholtene macht keinen Hehl daraus, in der Barockstadt nie wirklich angekommen zu sein. „Hier habe ich fast meinen Enthusiasmus verloren, habe angefangen, misstrauisch zu werden“, sagte er kürzlich in einem Interview. Bei der Abschlusspressekonferenz am Freitag zeigte er sich gar persönlich verletzt: „In Salzburg ist viel Neues und künstlerisch Herausragendes entstanden. Viele Sterne sind hier aufgegangen. Das mit der Beliebigkeit kann ich nicht verstehen. Aber es ist mir ohnehin egal.“
Der Anspruch an das weltberühmte Festival ist jedes Jahr riesig, umso herber fällt die Kritik bei fehlender Weltklasse aus. Doch wie kann sich Salzburg im Wettbewerb internationaler Festivals behaupten? „Die Salzburger sollten nur die besten musikalischen Werke der Geschichte vorführen und nicht die, die sich am besten verkaufen lassen“, fordert der ehemalige Salzburg-Intendant Gérard Mortier. Blockbuster seien etwas für normale Opernhäuser, Festspiele müssten sich dem Besonderen und Neuen widmen. Flimm sieht das anders: „Festspiele sind genauso wegweisend, wie Stadttheater wegweisend sind“, sagte er jüngst. In der künstlerischen Ernsthaftigkeit sieht er keinen Unterschied. Und mit genau dieser Einstellung stieß er an der Salzach auf Kritik. Der Intendant habe die Festspiele nicht ernst genug genommen und vernachlässigt, kein Konzept gehabt und sich mit Mittelmäßigem zufriedengegeben, lauten die Vorwürfe. Einzig Konzertchef Markus Hinterhäuser, Interimsintendant für 2011, ehe Alexander Pereira anfängt, wird für sein Programm gelobt. Im Opernprogramm begeisterte allein die Uraufführung von Wolfgang Rihms „Dionysos“. Das Schauspiel-Programm war solide, mehr nicht. Kassenschlager war wie immer der „Jedermann“ auf dem Domplatz, diesmal mit Nicholas Ofczarek als reichem Sünder und Birgit Minichmayr als Buhlschaft .



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