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Von Erstarrung keine Spur

Herausragende Leistungen von Chor und Orchester, erfolgreiche Solisten-Debüts: Bayreuther Festspiele ziehen positive Bilanz

  „Der Ring des Nibelungen“ (hier eine Szene aus der „Walküre“) in der Inszenierung von Tankred Dorst ist nach fünf Jahren Geschichte. Foto: dpa
 

„Der Ring des Nibelungen“ (hier eine Szene aus der „Walküre“) in der Inszenierung von Tankred Dorst ist nach fünf Jahren Geschichte. Foto: dpa

 

Von Manfred Präcklein

Bayreuth - Herausragende Leistungen von Chor und Orchester, erfolgreiche Debüts bei den Solisten und wie immer Diskussionen über Inszenierungen prägten das diesjährige Wagner-Festival am Grünen Hügel. Offen bleibt derweil die Frage, wer 2013 zum 200. Geburtstag von Richard Wagner den neuen „Ring“ inszenieren wird. „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Tankred Dorst ist nach fünf Jahren Geschichte. Vor dem Finale der 99. Richard-Wagner-Festspiele, die heute zu Ende gehen, richten sich die Blicke am Grünen Hügel nach vorne, vor allem auf das Jahr 2013. Dann wird zum 200. Geburtstag von Richard Wagner das Herzstück der Festspiele, „Der Ring des Nibelungen“, neu inszeniert. Noch darf spekuliert werden, wie die Tetralogie auf die Bühne gestemmt werden wird. Erstmals in der über 130-jährigen Geschichte der Festspiele könnte der „Ring“ auch von mehreren Regisseuren in Szene gesetzt werden. „Wir sind offen für alle Modelle“, ist von Festspielleiterin Katharina Wagner zu hören.

Wer schmiedet 2013 den „Ring“?

Fest steht indessen: Der russische Dirigent Kirill Petrenko wird das Mammutwerk in drei Jahren dirigieren. Und auch das Programm für die beiden „Ring“-freien Jahre bis zum Jubiläum steht: Die 100. Bayreuther Festspiele werden am 25. Juli 2011 mit dem neuen „Tannhäuser“ in der Regie von Sebastian Baumgarten eröffnet. Dirigiert wird das Werk von Thomas Hengelbrock.

Letztmals werden im kommenden Jahr Katharina Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ zu sehen und hören sein. Neben der diesjährigen Neuinszenierung des „Lohengrin“ von Hans Neuenfels und dem „Parsifal“ in der Regie von Stefan Herheim wird Christoph Marthalers Interpretation von „Tristan und Isolde“ auf den Spielplan zurückkehren. 2012 wird Sebastian Nübling die Oper „Der fliegende Holländer“ neuinszenieren.

Die diesjährige Neuinszenierung des „Lohengrin“ von Neuenfels hat, und das ist typisch für die „Werkstatt Bayreuth“, zumindest anfangs für kontroverse Diskussionen gesorgt - insbesondere die Ratten. Mit dem als Nagetiere verkleideten Chor wollte der frühere Skandalregisseur seine apokalyptische Sicht auf die heutige Welt betonen. „Inzwischen wird das Werk auch szenisch überwiegend akzeptiert“, zieht Festspielsprecher Peter Emmerich Bilanz. „Wir hatten eine tolle Besetzung und einen tollen Dirigenten, Andris Nelsons hat einen großartigen Start hingelegt.“

Herausragend war zweifellos das Bayreuth-Debüt von Jonas Kaufmann in der Titelrolle. Er wurde ebenso gefeiert wie sein Nachfolger Klaus Florian Vogt als Lohengrin in der einzigen verbliebenen Gewerkschaftsvorstellung. Kaufmann und Vogt haben ebenso wie Annette Dasch als Elsa, Georg Zeppenfeld als König Heinrich oder James Rutherford als Hans Sachs in den „Meistersingern“ das Vorurteil zumindest teilweise widerlegt, es gebe keine großen Wagner-Sänger mehr.

Die Leistungen von Dirigenten, Orchester und Festspielchor unter der Leitung von Eberhard Friedrich wurden ebenfalls mit viel Begeisterung aufgenommen. Das gilt für Shooting-Star Andris Nelsons und Daniele Gatti im „Parsifal“ ebenso wie für „Meistersinger“-Dirigent Sebastian Weigle und erst recht für „Ring“-Dirigent Christian Thielemann. Der neue musikalische Berater der beiden Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier wird nach einem bayreuthfreien Jahr 2012 als Dirigent des „Fliegenden Holländer“ auf den Grünen Hügel zurückkehren.

Kartennachfrage ungebrochen

Festspielsprecher Emmerich spricht vor dem heutigen Ausklang mit den „Meistersingern“ von einer wohltuend harmonisch verlaufenen Saison. Vergessen die quälenden Diskus­sionen um die Nachfolge des Patriarchen Wolfgang Wagner, der im März im Alter von 90 Jahren starb. Vergangenheit ist inzwischen auch der Vorwurf der Erstarrung der Festspiele. Dafür haben Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva gesorgt. Das 2009 gestartete Projekt „Wagner für Kinder“ wurde mit einer Kurzfassung des „Tannhäuser“ erfolgreich fortgesetzt. 2011 steht eine auf rund zwei Stunden verdichtete Fassung des „Ring des Nibelungen“ auf dem Programm. Vollends etabliert hat sich die Siemens Festspielnacht mit wiederum rund 40 000 Besuchern bei der kostenlosen Liveübertragung der Oper „Die Walküre“ unter freiem Himmel. Und auch die Aufzeichnung des Kinderstücks „Tannhäuser“ mit dem anschließenden Erlebnisparcours stieß auf großes Interesse bei Jung und Alt.

Die Siemens Stiftung wird ihr Engagement bei den Festspielen fortsetzen. Am 14. August 2011 steht „Lohengrin“ auf dem Programm des Public Viewings, 2012 folgt „Tannhäuser“. Und Ende Juli 2013 wird an vier Abenden der komplette Premieren-Zyklus des „Ring des Nibelungen“ live vom Grünen Hügel auf den Volksfestplatz übertragen.

Auch die weltweite Nachfrage nach Festspielkarten ist ungebrochen. „184 Aufführungen wären notwendig gewesen, um allen Kartenwünschen entsprechen zu können, aber es gibt nur 30“, rechnet Emmerich die gut 350 000 Anfragen um.

Und noch eine gute Nachricht kann er vermelden: Die Kartenpreise bleiben nach den teils drastischen Erhöhungen infolge der neuen Tarifverträge stabil. „Darin sind sich Festspielleitung und Verwaltungsrat einig“, betont der Festspielsprecher.

 

Artikel vom 28.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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