Risse im Stelenfeld
Frostiger Winter setzte dem Holocaust-Mahnmal weiter zu
Berlin (dpa) - Risse in zahllosen Betonstelen machen dem Berliner Holocaust-Mahnmal weiterhin zu schaffen. Bisherige Reparaturversuche brachten aus Sicht der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas noch keine befriedigenden Ergebnisse. Zur Klärung der Verantwortlichkeiten läuft ein Beweissicherungsverfahren. „Das Gutachten soll neben der Klärung der Verantwortlichkeiten und der Gründe für die Risse auch ein geeignetes Verfahren für die Mängelbeseitigung ermitteln“, erklärte Stiftungsdirektor Uwe Neumärker. Er reagierte damit auch auf einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach der strenge Dauerfrost der vergangenen Wochen an weiteren 300 Betonblöcken Risse hinterlassen haben soll. Neumärker nannte diese Zahl spekulativ. Sobald die Frostperiode zu Ende gehe, werde die Stiftung wie in jedem Jahr das Mahnmal auf winterbedingte Beschädigungen überprüfen. Das im Mai 2005 nach Plänen des US-Architekten Peter Eisenman eröffnete Holocaust-Mahnmal am Rande des Tiergartens und in Sichtweite des Brandenburger Tores besteht aus einem Feld von 2711 unterschiedlich großen Betonquadern. Zu der Anlage gehört auch ein unterirdischer Ort der Information, in dem der Leidensweg der Juden im Nationalsozialismus nachgezeichnet wird.
Erste kleinere Schadensmeldungen hatte es schon vor Jahren gegeben, sie summierten sich mit der Zeit. 2008 bezifferte die Stiftung die Zahl der Betonsäulen, an denen sich zumeist feine Risse gebildet haben, auf rund 1900. Zum Teil wurden sie durch Kalkablagerungen sichtbar, die eingedrungenes Wasser hinterlassen hatte. Noch im Frühjahr 2008 waren 50 Stelen, die einen repräsentativen Querschnitt der verschiedenen Rissbilder darstellten, ausgesucht worden, um Sanierungsverfahren auszuprobieren. Die Kosten sollte die Firma Geithner und Söhne tragen, der Hersteller der Betonstelen. Getestet wurde vor allem, Risse mit Kunstharz zu schließen. Eine Stiftungssprecherin sagte jetzt, als der Winter 2008/2009 vorbei war, hätten sich die Ergebnisse aber als unbefriedigend erwiesen. Die Stiftung feiert am 5. Mai mit einem Bürgerfest das fünfjährige Bestehen des Holocaust-Mahnmals. Im Stelenfeld wurden bisher acht Millionen Besucher aus aller Welt gezählt, im Informationszentrum waren es zwei Millionen.



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