Irak-Krieg gegen Pandora
Bei den Oscars ist ein aufregendes Kräftemessen zu erwarten - Neben den Favoriten „The Hurt Locker“ und „Avatar“ gehen starke Mitstreiter ins Rennen
Los Angeles - Rein statistisch sind James Camerons Chancen auf die wichtigsten Oscars begrenzt. Nicht sein Science-Fiction-Spektakel „Avatar - Aufbruch nach Pandora“, sondern das Irak-Kriegsdrama „Tödliches Kommando - The Hurt Locker“, von Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow inszeniert, hatte im Januar den Spitzenpreis der Hollywood-Produzenten gewonnen. In den vergangenen 20 Jahren setzten die Produzenten und die Mitglieder der Oscar-Akademie 13 Mal auf denselben Film.
Ex-Ehepaar konkurriert um Trophäen
Bei der Golden-Globe-Vergabe dagegen hatte Cameron das Kräftemessen des geschiedenen Ehepaares klar gewonnen. Er räumte mit seinen blauen Außerirdischen gleich doppelt ab, als bester Regisseur und für den besten Film. Dafür musste der 55-jährige Kanadier kürzlich bei der Verleihung der britischen Bafta-Filmpreise zuschauen, wie Bigelow sechs Preise holte, während „Avatar“ mit zwei Trophäen in eher unwichtigen Kategorien abgespeist wurde.
Die Endrunde in der Oscar-Nacht vom kommenden Sonntag auf Montag dürfte spannend werden, denn es sind auch noch schwergewichtige Mitstreiter im Spiel. Neben „Avatar“ und „The Hurt Locker“ mit jeweils neun Nominierungen tritt Quentin Tarantinos Nazi-Satire „Inglorious Basterds“ mit acht Anwartschaften in den Ring, gefolgt von „Precious“ und „Up in the Air“ mit je sechs Gewinnchancen. Der „Oscar-Buzz“ dreht sich vor allem um den Kampf David gegen Goliath: Das 3D-Spektakel „Avatar“ verschlang ein Budget von 500 Millionen Dollar und spielte weltweit als bislang erfolgreichster Film etwa 2,5 Milliarden Dollar ein. „The Hurt Locker“ kostete gerade mal 15 Millionen Dollar, machte aber an den Kinokassen die Ausgaben kaum wett. Cameron zog alle Register ausgefeilter Spezialeffekte, während Bigelow auf menschliche Emotionen und brutale Kriegsrealität setzt. Gewinnt sie in diesem Jahr, würde die 58-Jährige als erste Frau mit einem Regie-Oscar in die Geschichte eingehen.
Neues Abstimmungsverfahren
Erstmals seit der 16. Oscar-Verleihung im Jahr 1943 sind statt der üblichen fünf Filme jetzt wieder zehn Produktionen im Rennen um den Oscar in der Königskategorie „bester Film“. Nach dem neuen Verfahren werden die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die nominierten Filme in einer Rangfolge von eins bis zehn bewerten. Durch das neue Abstimmungsverfahren erhalten auch zweit- und drittplatzierte Filme im Falle eines knappen Wahlausgangs mehr Gewicht bei der Ermittlung des Siegers. Unter den Top Ten ist der Animationsfilm „Oben“ aus der Trickfilmschmiede Pixar und das rührselige Sport-Melodrama „Blind Side - Die große Chance“, das Sandra Bullock den ersten Oscar bescheren könnte. Sie würde damit Helen Mirren („Ein russischer Sommer“), Carey Mulligan („An Education“), Gabourey Sidibe („Precious“) und Meryl Streep als Starköchin Julia Child in „Julie & Julia“ ausstechen. Als saufender Country-Musiker in „Crazy Heart“ könnte Jeff Bridges seinen ersten Oscar gewinnen. Mit ihm gehen George Clooney („Up in the Air“), Morgan Freeman („Invictus“), Colin Firth („A Single Man“) und Jeremy Renner („The Hurt Locker“) in das Rennen um den Hauptrollen-Oscar. Christoph Waltz, der für seine „Inglourious Basterds“-Nebenrolle als SS-Mann bereits jeden erdenklichen Filmpreis gewonnen hat, ist der Oscar quasi sicher. Die Komödiantin Mo'Nique könnte mit ihrer Nebenrolle als tyrannische Mutter in dem beklemmenden Sozialdrama „Precious“ ihren Siegeszug in Hollywood fortsetzen.
Auch Oscar-Akademie will glänzen
Auch die Oscar-Akademie möchte als Gewinner glänzen, also mehr Zuschauern bei der dreistündigen Gala vor den Bildschirm locken. Mit dem Blockbuster „Avatar“ im Rennen träumen die Veranstalter von Einschaltquoten wie im Jahr 1998, als 55 Millionen Zuschauer den „Titanic“-Triumph mitverfolgten. Knapp 37 Millionen Menschen schauten sich im vergangenen Jahr den Sieg des weniger bekannten Dramas „Slumdog Millionär“ an. Mit Steve Martin und Alec Baldwin als Moderatoren führen gleich zwei Stars durch die Oscar-Nacht.



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