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THEMA DES TAGES

Tauziehen

Von Andreas Herholz

War’s das? Oder fängt es jetzt erst richtig an? Die Bundesbank will Thilo Sarrazin loswerden und gibt dem Druck der Politik nach. Jetzt beginnt das juristische Tauziehen. Rechtfertigen seine schrillen Thesen einen Rauswurf? Am Ende dürfte der Fall vor Gericht landen. Sarrazin wird jede Chance nutzen, um für sich und sein Buch zu werben und versuchen, in die Rolle des Märtyrers zu schlüpfen. Der Fall Sarrazin - mag er sich auch noch eine Weile hinziehen - dürfte früher oder später abgeschlossen sein, das Interesse an ihm und seinen Äußerungen deutlich nachlassen. Doch die Debatte über Integration geht wieder einmal erst richtig los. Schon melden sich die ersten Politiker, wollen auf der Welle mitsurfen und beklagen die Defizite in diesem Bereich. Schon ruft der neue hessische Ministerpräsident Volker Bouffier Migranten zu besserer Integration auf. Viele werden es ihm gleich tun, bevor das Thema wieder in den Klassenzimmern verschwindet und den Stammtischen überlassen wird. Weder helfen Zuspitzungen und Provokationen im Stile Sarrazins noch das fortgesetzte Verharmlosen und Ignorieren der Schwierigkeiten. Regierungsamtliche Konferenzen zu Islam und Integration in Deutschland sind wichtig. Sie ersetzen aber nicht konkrete Politik. Noch wird mehr über die Bedeutung von Sprache und Bildung in Talkshows diskutiert, als dass mehr dafür getan würde. Geht die Politik nach der Causa Sarrazin einfach zur Tagesordnung über, riskiert sie, dass aus dem Strohfeuer ein Flächenbrand werden könnte.

 

Artikel vom 03.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (2)

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05.09.2010 10:33 von Burkhard Schrader

Wäre es da nicht klug die Sarrazins, Bouffiers und andere Zündler nur ganz marginal zu erwähnen. Sie völlig zu ignorieren wäre ja geschmeichelt.

03.09.2010 20:05 von J.Riesch

Nun haben wir es ja geschafft. Herrn Sarrazin mußte man ja nur lange genug mit verfänglichen Fragen in die Ecke der Rassisten drängen und schon ist man ihn los. Besser wäre es gewesen, die Herren Politiker aller Parteien hätten sich bei den Betroffenen d.h. Eltern von Schülern erkundigt wie es in der Realität aussieht. Sie wären ganz schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass die Aussagen von H.Sarrazin in vielen Fällen stimmen. Glücklicherweise wird die Anzahl der Muslime, welche weitsichtig sind und die Ihren Kindern eine gute Bildung ermöglichen immer höher. Fakt ist aber, daß noch sehr viele im kulturellen und religiösen Mittelalter verhaftet sind. Unsere Politik muß dies endlich mal erkennen und diese Leute zielstrebig in die Neuzeit führen. Wie schon vermerkt, Herrn Sarrazin absägen reicht nicht.


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