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Kein Erbhof mehr

Von Markus Bleistein

„Winfried Kretschmann (Grüne) wird Ministerpräsident von Baden-Württemberg.“ So könnte die Schlagzeile dieser Zeitung am 28. März kommenden Jahres lauten, würde sich die aktuelle Meinungsumfrage im Südwesten so oder so ähnlich an den Wahlurnen bewahrheiten. Dies käme einer politischen Revolution mit gravierenden Auswirkungen bis nach Berlin gleich, denn Baden-Württemberg ist seit Jahrzehnten das Stammland der CDU.Doch so weit ist es noch nicht. Spitzenpolitiker von Union und FDP verweisen zu Recht darauf, dass Umfragen Momentaufnahmen sind. An der derzeitigen Stimmungslage kann sich noch viel ändern. Zudem verhalten sich Wähler an der Urne anders als bei Meinungsumfragen. Wenn es nicht zählt, spielen Stimmungen eine größere Rolle. Wenn es darauf ankommt, auch langfristigere Überzeugungen. Doch es kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese Umfrage für schwarz-gelb einen Warnschuss darstellt. Stuttgart 21 verhagelt dem Ministerpräsidenten Stefan Mappus die politische Szenerie, hinzu kommt die Serie aus Pleiten, Pech und Pannen auf der Berliner Bühne. Ob es in dieser Konstellation der Landesregierung gelingt, im Wahlkampf den Bürgern ihre Erfolge in der Wirtschafts-, Innen- und Bildungspolitik vor Augen zu führen, sei einmal dahingestellt. Fest steht jedoch seit gestern, dass Union und FDP vor einem harten Kampf stehen. Der Erbhof Ministerpräsidentenamt für die CDU ist alles andere als sicher.

 

Artikel vom 02.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

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03.09.2010 23:27 von Burkhard Schrader

Ja, der Gedanke den wertekonservativen Winfried Kretschmann in unserem stockkonservativen Bundesland als Ministerpräsident zu haben, sollte sich der Trend bis zum kommenden März stabilisieren, ist nicht ohne Charme. Der erzkonservative Stefan Mappus könnte dann in der Opposition die CDU, vom über Jahrzehnte angehäuften Mief und Filz befreien und seine Partei in aller Ruhe, nachhaltig modernisieren; und ganz nebenbei vielleicht auch noch über Bildungspolitik nachdenken, die den Menschen dient. Er kann sich aber auch innerlich nur freuen, wenn das sei Ehrgeiz zulässt, dass die Ablösung der CDU nach so vielen Jahrzehnten Verantwortung, unserer Demokratie nur gut tut. Auch für die Grünen wäre es ein Segen, wenn einige Leute in mittleren Jahren, die über Jahre auf der kommunalen Ebene hervorragende Arbeit geleistet haben, ein Treppchen hochsteigen und der nachfolgenden jüngeren Generation Plätze frei machen. Das Gleiche gilt auch für die SPD, die zudem noch die Chance hätte, ein paar von denen, die von Gerhard Schröder SPD-Heimatvertrieben wurden, für den abgemagerten linken Flügel der Partei zurückzugewinnen. Und selbst für eine FDP in der Opposition gäbe es die einmalige Möglichkeit, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen die ja auch in diesem Lande liegen, zu lernen liberal im Sinne der Menschen wieder neu zu buchstabieren. Also das nachzuholen, was die Bundespartei in ihre Oppositionszeit in ihrem nur wirtschaftsliberalistischen Wahn völlig versäumt hat. Wenn dann noch die Wirtschaft und die große Kaste der sehr wohlhabenden Menschen in diesem Land wieder zu einer menschenwürdigen Balance zwischen „herrsche und teile“ zurück findet, könnten wir zum „Musterländle in Balance“ aufsteigen – mit Signalwirkung für die ganze Republik.


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