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THEMA DES TAGES

Maß voll

Von Rasmus Buchsteiner

Es ist die größtmögliche Provokation. Thilo Sarrazin hat sich als Bundesbank-Vorstand mit zugespitzten Thesen über die Gene von Juden, vererbte Dummheit und die Integrationsdefizite muslimischer Zuwanderer mehr als angreifbar gemacht. Die von Sarrazin losgetretene Debatte ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Sie erhitzt die Gemüter, erschöpft sich in zugespitzter Rhetorik, bedient Ressentiments und hat bisher nichts zu Tage gebracht, was nicht ohnehin bereits bekannt wäre. Die Versuche der Politik, den Wirbel einzudämmen und den Schaden zu begrenzen, wirken hilflos. Die Bundesbank ist nicht irgendeine Institution. Womit sie Schlagzeilen macht und wie sich ihre Vorstandsmitglieder in der Öffentlichkeit äußern, ist für ihr Ansehen in der Welt nicht unerheblich. Bei aller Unabhängigkeit der Zentralbank: Es war gut, dass die Kanzlerin darauf hin­gewiesen hat. Für Sarrazin scheint das Maß voll zu sein. Beim nächsten verbalen Rundumschlag müsste er weg.Und die Integrationsdebatte? Sie muss weitergehen, aber bitte ohne unnötige Zuspitzungen und ohne inhaltliche Anleihen bei Rechtspopulisten wie Geert Wilders in den Niederlanden. Integration ist keine Einbahnstraße. Und sie muss auch eingefordert werden. Sarrazin mag Recht haben mit der Feststellung, dass Bildung allein nicht zu gelungener Integration führt. Doch wer Migrantenkindern Bildungschancen eröffnet, schafft Brücken, die aus Parallelgesellschaften herausführen. Dagegen sollte auch Sarrazin nichts einzuwenden haben!

 

Artikel vom 31.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (2)

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03.09.2010 01:09 von K. Neumann

Herr Sarrazin war lange Zeit Finanzsenator von Berlin. Da liegen die Zahlen auf dem Tisch. Heisig war Jugendrichterin in Berlin. Sie kam auf ihre Art im Bezug auf die Intergrationsleistung bestimmter Bürgergruppen zu dem selben Ergebis wie Sarrazin auch und prognostizierte für Berlin den Zerfall bis in zehn Jahren: in zehn Jahren ist diese Stadt kaputt. In Dänemark wurde der Psychologe Sennels aus Staatsdiensten gefeuert, der aus seiner Jugendarbeit wohl begründete Thesen ableitete, die die Aussagen Sarrazins und Heisigs dick und begründet unterstreichen. Seine Thesen liegen inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor, wie ich vor ein paar Tagen gesehen habe. In den USA haben wir Fort Hood gesehen, nicht wahr. Könnte es sein, dass wir die political correctness überzogen auf eine Gruppe von Menschen unter den Mitbürgern mit Migrationshintergrund anwenden, wie sie so nicht gedacht war? Oder anders: könnte es sein, dass es hier Nutzniesser der political correctness gibt, die einen Schutz durch diese geniessen, der sie in ihrer Absicht pervertiert? Es gibt durchaus auch Menschen aus besagter Gruppe, die genau dieser Meinung sind.

31.08.2010 15:26 von Arnulf Hahselmann

So ganz unrecht hat Herr Sarrazin nicht,nur die Wortwahl ist nicht okay. Vielleicht gibt Herr Sarrazin den bösen Buben für Andere.


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