THEMA DES TAGES
Maß voll
Es ist die größtmögliche Provokation. Thilo Sarrazin hat sich als Bundesbank-Vorstand mit zugespitzten Thesen über die Gene von Juden, vererbte Dummheit und die Integrationsdefizite muslimischer Zuwanderer mehr als angreifbar gemacht. Die von Sarrazin losgetretene Debatte ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Sie erhitzt die Gemüter, erschöpft sich in zugespitzter Rhetorik, bedient Ressentiments und hat bisher nichts zu Tage gebracht, was nicht ohnehin bereits bekannt wäre. Die Versuche der Politik, den Wirbel einzudämmen und den Schaden zu begrenzen, wirken hilflos. Die Bundesbank ist nicht irgendeine Institution. Womit sie Schlagzeilen macht und wie sich ihre Vorstandsmitglieder in der Öffentlichkeit äußern, ist für ihr Ansehen in der Welt nicht unerheblich. Bei aller Unabhängigkeit der Zentralbank: Es war gut, dass die Kanzlerin darauf hingewiesen hat. Für Sarrazin scheint das Maß voll zu sein. Beim nächsten verbalen Rundumschlag müsste er weg.Und die Integrationsdebatte? Sie muss weitergehen, aber bitte ohne unnötige Zuspitzungen und ohne inhaltliche Anleihen bei Rechtspopulisten wie Geert Wilders in den Niederlanden. Integration ist keine Einbahnstraße. Und sie muss auch eingefordert werden. Sarrazin mag Recht haben mit der Feststellung, dass Bildung allein nicht zu gelungener Integration führt. Doch wer Migrantenkindern Bildungschancen eröffnet, schafft Brücken, die aus Parallelgesellschaften herausführen. Dagegen sollte auch Sarrazin nichts einzuwenden haben!



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