THEMA DES TAGES
Obsolet
„Ausgesetzt“ soll die Wehrpflicht werden, um den Bedenken einiger in CDU und vor allem CSU gerecht zu werden. Doch hinter „ausgesetzt“ verbirgt sich der knallharte Abschied von einem ehernen Verfassungsgrundsatz. Das ist absolut notwendig, weil die Wehrpflicht nicht mehr zeitgemäß ist. Zum einen werden im Irak oder in Afghanistan hochspezialisierte Kampfverbände benötigt. 19-Jährige, die sechs Wochen durch den Schlamm gerobbt sind und sich anschließend vor allem mit dem Konsum alkoholischer Getränke bei Laune gehalten haben, sind in solchen Einsätzen so unpassend wie Pinguine in der Sahara. Nicht umsonst ist die Wehrpflicht in der NATO ein Auslaufmodell. Nach dem Ende des Kalten Krieges sind Massenheere überflüssig geworden - Gott sei Dank.Das zweite Argument für die Wehrpflicht, der Bürger in Uniform, hat sich ebenfalls überholt. Es besteht nicht mehr die Gefahr wie in der Weimarer Republik, dass sich die Militärs zum Staat im Staate entwickeln und eine eigenständige, über den demokratischen Institutionen stehende Machtposition beanspruchen. Diese Furcht mag nach dem Zweiten Weltkrieg begründet gewesen sein, angesichts der dichten Verflechtung der Bundeswehr zum Beispiel in der NATO ist sie obsolet. Zudem gilt: Das Herumgammeln der Rekruten und so manche Eskapaden haben dem Ansehen der Bundeswehr in der Bevölkerung erheblich geschadet. Die absehbare Abkehr von der Wehrpflicht ist richtig und sollte nicht nur mit Sparzwängen begründet werden.



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