THEMA DES TAGES
Unter Druck
Ob man die Herde von vorne oder von hinten führt, philosophiert Angela Merkel schon mal, sei nicht entscheidend. Wichtig sei, dass man sie zusammenhält. Die Kanzlerin wartet ab, legt sich lange nicht fest und entscheidet erst, wenn die Fronten geklärt zu sein scheinen. Die Regierungschefin hat es mit ihrem moderierendem Führungsstil weit gebracht. In der Großen Koalition mit dem Partner SPD wirkte dies als ideales Erfolgsrezept. Nun stößt Merkel damit an Grenzen. Vor der Entscheidung über ein neues Energiekonzept lässt sich die Kanzlerin wieder einmal nicht in die Karten sehen. Wofür steht sie im Streit um die Zukunft der Atommeiler? Für eine möglichst moderate Verlängerung von acht Jahren? Oder für eine großzügige Ausweitung, die von der Wirtschaft, aber auch von nicht wenigen Unionspolitikern gefordert werden? Will sie die Einführung der Brennelementesteuer, oder rudert sie zurück? Merkel wartet ab und gerät unter Druck. Gibt sie den Forderungen der Energieriesen nach längeren Laufzeiten und Verzicht auf die Brennelementesteuer nach, gerät die Kanzlerin unter Verdacht, vor der Atomlobby einzuknicken. Ein Steuergeschenk für die Energieriesen würde bei dem einen oder anderen Wähler auf Unverständnis stoßen. Bleibt die CDU-Chefin hart, treibt einen schnellen Ausstieg voran und verpflichtet die Betreiber zu Milliardenzahlungen, dürfte die Wirtschaft noch weiter auf Distanz zu ihr gehen, und auch in den eigenen Reihen droht Ungemach. Merkel könnte Mühe haben, die Herde am Ende zusammenzuhalten.



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