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THEMA DES TAGES

Unglaubwürdig

Von Markus Bleistein

Das Geschacher in der SPD um die Rente mit 67 verheißt nichts Gutes. Denn Franz Müntefering, der diese bittere Pille den Arbeitnehmern einst mitverabreichte, hat ja recht. Wer jetzt nicht auf die Finanzierbarkeit der Rentenkassen achtet, verlagert das Problem in noch höherem Maße auf die jüngere Generation. Es ist einfach so, dass wir immer älter werden und es ist auch so, dass immer weniger Junge Beiträge zahlen. Daraus jetzt nicht die Konsequenz zu ziehen und das Rentenalter schrittweise zu erhöhen, ist Augenwischerei. Dass es für die SPD schwierig ist, ihrer Klientel das höhere Renteneintrittsalter zu verkaufen: Geschenkt. Dass SPD-Chef Sigmar Gabriel jetzt einen Formelkompromiss findet, um den Fraktionschef Franz-Walter Steinmeier nicht alt aussehen zu lassen, dient nicht der Glaubwürdigkeit der SPD. Bislang dachte man, die Kombination aus Verschieben von Entscheidungen und Formelkompromissen sei vor allem ein Kennzeichen der schwarz-gelben Bundesregierung. Doch auch in der SPD scheint das bequeme Herummogeln um freudlose Botschaften fröhlich Urständ zu feiern. Nun ist man in der Opposition in der komfortablen Situation, keine unpopulären Entscheidungen treffen zu müssen. Doch die Bürger sind nicht so einfältig. Sie sehen, was die SPD tut. Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit unserer demographischen Entwicklung wird voraussichtlich noch viel härtere Einschnitte in das Rentenniveau notwendig machen als bislang angenommen.

 

Artikel vom 21.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (2)

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22.08.2010 21:57 von Burkhard Schrader

Das einmalig unglaubwürdige hier, ist der Artikel selbst. Der Autor übersieht, dass alle vorliegenden langfristigen Prognosen, die die Folgen der demografischen Entwicklung betreffen, auf tönernen Füßen stehen. Über Ursachen, die die heutige Rentenmisere befördert haben, wird kein Wort verschwendet. Das der Anfang vom Ende in 1982 (1.Wende) mit der beginnenden Aushöhlung der Sozialen Marktwirtschaft, dem systematischen zerschlagen der Solidarsysteme und der Pflege einer Ellenbogengesellschaft zu suchen ist, ist scheinbar unbekannt. Ebenso das die Lasten der 2.Wende einseitig voll den Rentenkassen aufgebürdet wurden, statt die gesamte Gesellschaft damit zu belasten. Das Herr Schröder , Frau Merkel und derer Adlatus Franz Müntefering den unsäglichen Weg weiter gingen, führt einen Teil der kommenden Rentner, wenn sie nicht das Glück haben auf eine Betriebsrente zurückgreifen zu können, unter die Armutsgrenze - und das weiß man nicht erst seit gestern.

22.08.2010 12:39 von Müntefering

Deutschland hat als Exportweltmeister bereits fast das höchste Rentenalter gehabt. Mit Rente 67 ist es in der Spitzengruppe, Rente 70 wäre die Spitzenposition.

Gleichzeitig fallen die Einkommen real.

Danke Herr Müntefering.


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