THEMA DES TAGES
Nebenwirkungen
Von wegen: Kinder kriegen die Leute immer! Konrad Adenauer hat sich getäuscht, als er diese Worte als Argument für das umlagefinanzierte Rentensystem gebrauchte. Allerdings sprach sie der damalige Bundeskanzler 1957 - drei Jahre ehe eine Erfindung auf den Markt kam, die alle bis dato geltenden Regeln für Frauen, Familie und Sexualität über den Haufen werfen sollte. Mit der Antibabypille änderte sich nicht nur die Stellung der Frau in der Gesellschaft, sie nahm auch Einfluss auf die Bevölkerungszahl und ihre Zusammensetzung. Wie öffentlich - und damit politisch nachhaltig - das Private sein kann, hätten sich wohl selbst die Feministinnen nicht träumen lassen, die die konventionellen Rollenzuweisungen von Mann und Frau sprengen wollten.50 Jahre später ist die Antibabypille so selbstverständlich wie einst das Kinderkriegen selbst. Sie ermöglicht Frauen, spät in die Familienplanung einzutreten und zu ernstzunehmenden Karrierekandidatinnen zu reifen. Die wissenschaftliche Entwicklung entsprach 1960 einem gesellschaftlichen Bedürfnis, dem die politische Antwort gleichwohl noch immer hinterher hinkt. Denn bis heute hat die Existenz der Pille eines nicht bewirkt: die Schaffung eines familienfreundlichen Klimas, in dem Mann und Frau gemeinsam Kinder großziehen und zugleich ihren Beruf ausüben können. Stattdessen nehmen gerade gut ausgebildete und in führender Position tätige Frauen oft lieber weiterhin die Pille, als ein Kind zu bekommen, für das sie auf ihren hart erarbeiteten Job verzichten müssten.



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