THEMA DES TAGES
Ernüchternd
Die vage Hoffnung der Befürworter, die Menschen würden sich am Ende schon begeistern lassen für das Projekt Stuttgart 21, wenn man es ihnen denn nur richtig erkläre, ist nicht in Erfüllung gegangen. Gut ein Jahr nachdem die Partner den Sozialdemokraten Wolfgang Drexler als Chef-Erklärer aufs Podium gehievt haben, sind die Gegner mehr, die offenen Fragen zahlreicher und die Zweifel eher größer geworden. Das in dieser Woche veröffentlichte Gutachten des Umweltbundesamtes bringt kaum neue Erkenntnisse, aber es ist ein ernüchterndes Dossier. Es fasst Kritikpunkte und Unstimmigkeiten zusammen, für die Drexler und die Bahn bislang überzeugende Aufklärung schuldig geblieben sind. Experten weisen weiter auf Nadelöhre im neuen Verkehrsknoten hin. Und dass Verkehrsministerin Tanja Gönner jüngst zugeben musste, im Flughafenbereich sei entgegen der ursprünglichen Planung nun doch ein zweites Gleis nötig, nährt Zweifel, ob die Kapazitäten solide berechnet sind.Die Kosten, wie hoch sie am Ende auch sein werden, sind für viele Kritiker womöglich gar nicht der entscheidende Punkt. Unbehaglicher als drohende weitere Kostensteigerungen ist nämlich der Gedanke, dass Tunnelwände dünner geplant und Sicherheitsvorschriften per Ministererlaubnis außer Kraft gesetzt wurden, um zu sparen.Die Gegner sagen, sie hätten ja alles schon immer gewusst. Geschenkt. Fatal für die Projektpartner aber ist, dass es denjenigen immer schwerer fällt zu argumentieren, die Sympathien für Stuttgart 21 haben.



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