THEMA DES TAGES
Testfall
Eine Suchmaschine für das Internet - das ist längst keine erschöpfende Beschreibung mehr für Google. Die US-amerikanische Klitsche aus den Jahren der digitalen Goldgräberstimmung ist binnen eines Jahrzehnts zu einem der mächtigsten internationalen Konzerne avanciert. Google ist auch heute noch eine Suchmaschine: aber eine, die sich längst nicht mehr aufs Virtuelle beschränkt, sondern die mehr und mehr die reale Welt erfasst. Der neue Dienst Street View, der in Deutschland schon lange vor seinem Start für Aufregung sorgte, ist dabei nur ein weiterer Schritt. Erst machte Google flächendeckende Satellitenaufnahmen zum Allgemeingut, jetzt geht das Auge des Datenkraken noch ein Stück näher heran, dokumentiert die Straßenzüge ganzer Städte und Landstriche nicht mehr von oben, sondern von unten - aus der Perspektive des Passanten. Das mag mancher als voyeuristisch empfinden. Doch im öffentlichen Raum zu fotografieren und ebendiese Aufnahmen zu publizieren, ist in Deutschland das gute Recht eines jeden. Es ist auch ein Pfeiler der Pressefreiheit. Google strapaziert dieses Recht freilich bis zum Exzess. Das verursacht bei vielen Menschen Unbehagen, weil nur scheinbar lediglich Häuserfronten, Asphaltpisten und Straßengräben dokumentiert werden. Tatsächlich kartografieren die Google-Kameras Lebensalltag und Lebenskultur. Street View ist ein gesellschaftlicher Spiegel. Insofern ist der Dienst trotz allem auch ein Testfall, wie ernst eine Gesellschaft ihr Bekenntnis zur Informationsfreiheit nimmt.



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