THEMA DES TAGES
Farbe bekennen
Vier, acht, 14, 15, 20 oder gar 28 Jahre - wer bietet mehr? Bisher geht es beim Thema Laufzeitverlängerung noch munter durcheinander in der schwarz-gelben Koalition. Besonders verantwortungsvoll ist das nicht. Ist es doch ein emotional hochaufgeladenes Thema. Die große Mehrheit der Deutschen steht der Atomenergie skeptisch bis ablehnend gegenüber. Wenn die Regie‑ renden ihre Energiepläne nicht gegen die Bevölkerung durchsetzen, sondern Akzeptanz für längere Laufzeiten gewinnen wollen, kommt es entscheidend auf die Botschaft an. Keine Kompromisse auf Kosten der Sicherheit, müsste sie eigentlich lauten. Insofern ist es richtig, wenn in der Koalition nun daran gedacht wird, keine Abstriche bei der Sicherheit zu machen und noch im nächsten Jahr besonders störanfällige Reaktoren abzuschalten. Das bringt zumindest ein Stück Glaubwürdigkeit. Wenn die Koalitionäre dann noch den Weg für den möglichen und machbaren Umstieg auf erneuerbare Energien vorzeichnen, könnte es ihnen deutlich leichter fallen, die Notwendigkeit einer moderaten Laufzeitverlängerung zu erklären. Doch die parteipolitischen Spielchen der vergangenen Wochen deuten auf nichts Gutes hin. Und wofür steht eigentlich die Bundeskanzlerin, frühere Umweltministerin und gelernte Physikerin Angela Merkel in der Energiepolitik? Bisher hat sie es vermieden, Farbe zu bekennen. Dabei wird die Leistung ihrer schwarz-gelben Regierung eines Tages auch daran gemessen werden, wie sie die Weichen in der Energiepolitik gestellt hat.



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