THEMA DES TAGES
Kein gutes Licht
Ein Minister ist in Erklärungsnot. Einst galt Karl-Theodor zu Guttenberg uneingeschränkt als Hoffnungsträger und Lichtgestalt der CSU - inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Affäre um den verheerenden Luftangriff von Kundus mit bis 142 Toten trübt das Bild gewaltig. Tatsächlich kümmerte sich zu Guttenberg als Wirtschaftsminister um die Rettung von Opel oder um Kredite und Bürgschaften für den deutschen Mittelstand, als die Bomben über den beiden Tanklastern abgeworfen wurden. Direkt politisch verantwortlich für diesen Fall ist er nicht. Doch sein Umgang mit der Aufarbeitung des Vorgangs wirft kein gutes Licht auf den Verteidigungsminister. Erst erklärte er den Angriff für „militärisch angemessen“, nur einige Wochen später ruderte er auch schon zurück und hielt das Bombardement von Kundus plötzlich für „militärisch unangemessen“. Was denn nun? Seine Kehrtwende begründet zu Guttenberg mit internen Unterlagen, die erst später auf seinem Schreibtisch landeten. Die Vernehmung des ehemaligen Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan hat den fragwürdigen Eindruck gestern noch einmal untermauert. Von äußerster Brisanz ist für den Untersuchungsausschuss allerdings die Frage, ob bei der Aufarbeitung des Angriffs gezielt verschleiert wurde. Dieser Frage müssen die Abgeordneten noch nachgehen. Nur zur Erinnerung: An einer umfassenden Aufklärung der Fehler und Fehleinschätzungen im Fall Kundus konnte der Bundesregierung im zurückliegenden Bundestagswahlkampf kaum gelegen sein. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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