THEMA DES TAGES
Abziehbild
Das kommt heraus, wenn man sich nicht traut, eine heilige Kuh zu schlachten. Die Bundeswehr mutiert zu einer Armee von Kurzzeit-Kriegern, die von Oktober an nur noch für sechs Monate die Kasernen füllen. Was in dieser Zeit an Ausbildung möglich ist, dürfte nicht einmal für die vom Grundgesetz verlangte Landesverteidigung ausreichen, von heiklen Missionen wie Afghanistan ganz zu schweigen. Aber für die waren bisher schon Berufs- und Zeitsoldaten zuständig.Warum wagt es die Koalition eigentlich nicht, sich von der Wehrpflicht zu verabschieden? Stattdessen schafft man das Abziehbild eines Militärs, das jetzt schon mit Material-, Personal- und Führungsmängeln kämpft. Eine Verkürzung dürfte die Probleme verschärfen. Andere EU-Länder setzen bewusst auf Berufsarmeen mit ausgebildeten Spezialisten. Warum kann das kein Vorbild für Deutschland sein?Vielleicht liegt es am Nebenkriegsschauplatz, dem Zivildienst. Er verhindert den klaren Schlussstrich unter das Kapitel des Staatsbürgers in Uniform. Die Alternative für Kriegsdienstverweigerer wird ebenfalls lediglich verkürzt und nicht abgeschafft. Demnächst also nur noch ein halbes Jahr Zivildienst - das läuft auf ein Mini-Sozialpraktikum hinaus. Die Wohlfahrtsverbände müssen sich umstellen, denn die begehrten, weil billigen Zivis bilden inzwischen eine tragende Säule der sozialen Dienste. Sie verschleiern jedoch die wahren Kosten von Pflege und Betreuung. Im Sozialbereich warten bald neue Jobs - aber die müssen dann bezahlt werden. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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