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THEMA DES TAGES

Kein Ausweg

Von Christoph Slangen

Eine Enttäuschung für 20 Millionen Rentner, aber keine Überraschung. Die gestrige offizielle Bestätigung der Nullrunde zum 1. Juli war nur noch eine Formsache. Denn schon seit Wochen war klar, dass die Lohnsumme des vergangenen Jahres - die maßgebliche Größe für die Rentenanpassung im Folgejahr - gesunken ist. Noch die Große Koalition hatte für diesen krisenbedingten Ausnahmefall vorgesorgt, um den Rentnern Einbußen zu ersparen. So gab es im vergangenen Jahr die höchste Rentensteigerung seit zehn Jahren in Ost und West. Mit Blick auf die Wahlchancen bei der Bundestagswahl waren die zuvor mühsam durchgesetzten Reformen wieder für überflüssig erklärt worden - verantwortliche und folgerichtige Politik sieht anders aus. Die Vermeidung einer Rentenkürzung in diesem Jahr war die zweite Hilfsmaßnahme für die Senioren. Die Große Koalition ließ bei ihren wahltaktisch motivierten Eingriffen in das ausbalancierte Rentensystem die finanziellen Folgen gerne unter den Tisch fallen. Die Kosten für Extra-Rentenerhöhungen und ausge‑ bliebene Kürzungen werden jedoch den Rentnern der kommenden Jahre aufgebürdet. Sie müssen die finanziellen Lasten abtragen, sobald sich wieder die rechnerische Chance für Rentenerhöhungen ergibt. So sind Nullrunden oder bestenfalls Mini-Rentenerhöhungen auch in den Folgejahren programmiert, selbst dann, wenn die Löhne wieder deutlich steigen sollten. Einen Ausweg gibt es nicht, sollen die Beitragszahler nicht über Gebühr belastet werden. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.

 

Artikel vom 17.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (2)

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17.03.2010 17:22 von Hans Steinmann

In allen heutigen Artikel zu diesem Thema wird von der"größten Rentensteigerung seit 10 Jahren" im vergangenen Jahr von riesigen 2,4 % gesprochen. Niemand redet von realen Zahlen. Bei einer Durchschnittsrente von 973 Euro sind das gerade mal 23.53 Euro brutto im Monat und das nachvielen Nullrunden und lächerlichen 0,56 und 1,1 % vor 2 und 3 Jahren. Unsere Bundestagsabgeordneten waren dagegen nicht bescheiden. Sie haben ihre Diäten vor 2 Jahren um 672 Euro monatlich erhört, als um das 28fache. Auch Verdi und IG Metall habe mindestens 150 Euro in den untersten Lohngruppen jährlich verlangt oder erstreikt. Riester- und Nachhaltigkeitsfaktoren waren Erfindung der Politiker und nicht der Rentner. Doppelte Krankenkassenbeiträge für Betriebsrenten und Anhebung des Steuersatzes für Renten von 27 auf progressiv ab 50 % haben zusätzlich das Einkommen der Rentner geschmälert und dazu gefühert, dass die nominale Nettorente heute mindestens 10% kleiner ist als vor10 Jahren. Die Rentner sind heute die tatsächlichen Verlierer unserer Gesellschaft!

17.03.2010 09:00 von Dieter Fasel

Ihr Kommentator Christstoph Slangen hat nur bedingt Recht, wenn er keinen Ausweg aus den Nullrunden sieht. Einen Lichtblick gibt es doch für alle Empfänger von verdientem Ruhegeld. Spätestens zu den nächsten Bundestagswahlen werden die Renten erhöht. Das mag nun satirisch klingen oder auch nicht, trifft aber jedenfalls den Kern. Und im übrigen hat der Wähler es selbst in der Hand, seine Entscheidung über künftige Regierungen zu treffen. Klar herausgestellt werden muß aber, dass Renten keine Almosen des Staates sind, sondern in vielen Jahrzehnten eines Arbeitslebens mit zinslosen Beiträgen von den Rentenempfängern selbst vorfinanziert wurden. Dass die Rentenkassen von allen Regierungen politisch zweckentfremdet wurden, ist leider eine andere Sache. Aber wahr. Dieter Fasel, Stuttgart-Untertürkheim


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