THEMA DES TAGES
Kein Ausweg
Eine Enttäuschung für 20 Millionen Rentner, aber keine Überraschung. Die gestrige offizielle Bestätigung der Nullrunde zum 1. Juli war nur noch eine Formsache. Denn schon seit Wochen war klar, dass die Lohnsumme des vergangenen Jahres - die maßgebliche Größe für die Rentenanpassung im Folgejahr - gesunken ist. Noch die Große Koalition hatte für diesen krisenbedingten Ausnahmefall vorgesorgt, um den Rentnern Einbußen zu ersparen. So gab es im vergangenen Jahr die höchste Rentensteigerung seit zehn Jahren in Ost und West. Mit Blick auf die Wahlchancen bei der Bundestagswahl waren die zuvor mühsam durchgesetzten Reformen wieder für überflüssig erklärt worden - verantwortliche und folgerichtige Politik sieht anders aus. Die Vermeidung einer Rentenkürzung in diesem Jahr war die zweite Hilfsmaßnahme für die Senioren. Die Große Koalition ließ bei ihren wahltaktisch motivierten Eingriffen in das ausbalancierte Rentensystem die finanziellen Folgen gerne unter den Tisch fallen. Die Kosten für Extra-Rentenerhöhungen und ausge‑ bliebene Kürzungen werden jedoch den Rentnern der kommenden Jahre aufgebürdet. Sie müssen die finanziellen Lasten abtragen, sobald sich wieder die rechnerische Chance für Rentenerhöhungen ergibt. So sind Nullrunden oder bestenfalls Mini-Rentenerhöhungen auch in den Folgejahren programmiert, selbst dann, wenn die Löhne wieder deutlich steigen sollten. Einen Ausweg gibt es nicht, sollen die Beitragszahler nicht über Gebühr belastet werden. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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