THEMA DES TAGES
Langer Atem
Die Töne im politischen Betrieb sind selten so leise wie jetzt in der Debatte um die Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden. Auch wenn sich die vier Landtagsfraktionen längst nicht in allem einig sind, haben die Abgeordneten im Sonderausschuss augenscheinlich einander wenigstens einmal richtig zugehört. Das allein hat Seltenheitswert; und es ist auch ein Indiz für einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens, wie die latente Bedrohung durch extreme Gewaltausbrüche unberechenbarer Täter gemindert werden kann.Nicht nur der Ton stimmt, auch die Ergebnisse weisen den richtigen Weg. Die Abgeordneten sind nicht der Versuchung erlegen, durch technische Hochrüstung - seien es Alarmsysteme, Türschleusen oder Ähnliches - den Lebensraum Schule zum Gefängnis mutieren zu lassen. Mit einem engmaschigen Netz von Präventionsangeboten vorzubeugen, ist weise. Diesen Weg zu gehen, ist zugleich politisch mutig, weil er keine Erfolgskontrolle zulässt. Potenzielle Täter, die erst gar keine werden, weil Lehrer, Psychologen, Schulsozialarbeiter und bestenfalls Eltern ihnen helfen, Lebenskrisen oder gar psychische Erkrankungen zu bewältigen, gehen in keine Statistik ein. Amokläufer, die erst spektakulär am Schultor aufgehalten werden, dagegen schon. Bleibt zu hoffen, dass die Fraktionen langen Atem beweisen und auch in fünf Jahren, wenn die Erinnerung an Winnenden unweigerlich verblassen wird, nicht dort wieder den Sparhebel ansetzen, worüber jetzt wertvoller Konsens besteht. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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