THEMA DES TAGES
Tabu berührt
Die Sozialstaatsdebatte - von FDP-Chef Guido Westerwelle mit einem gehörigen Schuss Polemik angestoßen - ist längst in Fahrt. Alte Freund-Feind-Schemata geraten bei diesem heiklen Thema schnell durcheinander. So erntet SPD-Vize Hannelore Kraft für ihren jüngsten Vorschlag Kritik von Gewerkschaften und Sozialverbänden, während die Liberalen Krafts Thesen als Bestätigung vereinnahmen möchten. Beides ist voreilig. Der Vorschlag der NRW-Spitzenkandidatin für dauerhafte gemeinnützige Arbeit Langzeitarbeitsloser berührt ein Tabu: Die SPD-Frau gesteht ein, dass es unter den Langzeitarbeitslosen einen beträchtlichen Teil gibt, der auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chancen hat. Damit verabschiedet sie sich auch von den Illusionen der Vollbeschäftigung, die die SPD selbst in der Krise noch fleißig nährte. Es ist lohnenswert, darüber nachzudenken, wie diejenigen sinnvoll eingesetzt werden können, die derzeit chancenlos sind. Die allermeisten von ihnen würden arbeiten, wenn sie nur eine Chance erhielten. Die allergischen Reaktionen bei Gewerkschaften und Sozialverbänden auf den Vorschlag eines dritten Arbeitsmarktes dürften zwar abklingen. Doch die Schwierigkeiten liegen in der Praxis. Ob Arbeitspflicht oder freiwillige gemeinnützige Arbeit, es wird stets eine Bürokratie benötigt, die die Arbeiten organisiert. Die Arbeitsverwaltung scheint bereits jetzt oft mit der Betreuung der Arbeitslosen überfordert.Ließen sich diese Schwierigkeiten überwinden, müsste genau darauf geachtet werden, dass die Zusatzjobs keine regulären Arbeitsplätze verdrängen. Denn sonst würde die prinzipiell richtige Hilfe zum teuren Nullsummenspiel. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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